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Rezensionen Historische Romane

Rezensionen/ Rezensionen Historische Romane

Anne Jacobs – Die Tuchvilla

Augsburg, 1913. Die junge Marie tritt eine Anstellung als Küchenmagd in der imposanten Tuchvilla an, dem Wohnsitz der Industriellenfamilie Melzer. Während das Mädchen aus dem Waisenhaus seinen Platz unter den Dienstboten sucht, sehnt die Herrschaft die winterliche Ballsaison herbei, in der Katharina, die hübsche, jüngste Tochter der Melzers, in die Gesellschaft eingeführt wird. Nur Paul, der Erbe der Familie, hält sich dem Trubel fern und zieht sein Münchner Studentenleben vor – bis er Marie begegnet …(Kurzbeschreibung laut Amazon)
Es ist leider schon wieder viel zu lange her, dass ich „Die Tuchvilla“ von Anne Jacobs gelesen habe. Leider deshalb, weil ich euch dieses Buch doch unbedingt ans Herz legen wollte, aber ihr werdet mir sicherlich verzeihen, dass ich es euch erst heute – als Wochenendtipp – mit auf den Weg gebe. Für ganz Eilige gibt es ja immerhin noch den Weg sich das Buch als Ebook zu bestellen. 😉
Aber man „fällt“ auch in jeder ortsansässigen Buchhandlung über das Buch – und das zu Recht, denn es darf einfach kein Geheimtipp bleiben!
Anne Jacobs hat mit „Die Tuchvilla“ eine Familiensaga geschaffen, die zum Mitfiebern, Träumen und Abtauchen einlädt. Die Hauptfigur Marie wächst einem direkt auf den ersten Seiten ans Herz und schlägt dort sehr schnell Wurzeln. Ihre liebreizende und unschuldige Art, vereint sich mit ihrem klugen Geist zu der Person, die Kapitel für Kapitel immer mehr an Kraft und Durchsetzungsvermögen gewinnt.
Jacobs schafft es gekonnt und ununterbrochen Spannung, Sympathie für ihre Figuren und Intensität der Handlung aufrecht zu erhalten. Durch intelligent entwickelte Wendungen und Intrigen belebt sie jedes einzelne Kapitel aufs Neue und fesselte mich damit so sehr an „ihre“ Tuchvilla, dass ich mir direkt nach der Lektüre den Folgeband „Die Töchter der Tuchvilla“ bestellt habe.
Dieses Buch hat eine sehr große Leserschaft verdient und ich würde mich sehr freuen, wenn ich euch mit meinen Zeilen für dieses Buch begeistern konnte. Ich habe mich sehr kurz gefasst, aber gerne dürft ihr mir Fragen zum Buch stellen!
Anne Jacobs hat übrigens auch eine Facebook – Seite und einen Blog auf dem bereits die Rede von einem dritten Teil die Rede ist.
© Ricarda Ohligschläger

Rezensionen/ Rezensionen Historische Romane

Nicole Steyer – Der Fluch der Sommervögel

Nicole Steyer dürfte vielen Fans historischer Romane spätestens seit ihrem Debütroman „Die Hexe von Nassau“ ein Garant für erstklassige Unterhaltung sein und da mir dieses Buch sowie auch „Das Pestkind“ in sehr guter Erinnerung geblieben sind, wollte ich unbedingt ebenfalls „Der Fluch der Sommervögel“ lesen.
Glücklicherweise stehe ich in sehr gutem Kontakt mit der Autorin und so nutzte ich die Möglichkeit mir das Buch direkt über die Buchhandlung www.hexenbuchladen.de zu bestellen. So erhielt ich letzten Endes mein Exemplar mit einer sehr schönen Widmung der Autorin, was – wie ich finde – immer etwas Besonderes ist.
Zum Inhalt: Die junge Maria Merian hat ein besonderes Talent für die Malerei entwickelt, das sie von ihrem Vater geerbt hat. Leider ist es jungen Frauen untersagt sich im 17. Jahrhundert künstlerisch zu entfalten. Schnell werden sie deshalb zum Gerede und müssen  nicht allzu selten damit rechnen als Hexe verfolgt zu werden. Ihrer Mutter Johanna und ihrem Bruder Matthäus ist die Begabung des Mädchens ein Dorn im Auge. Ihr Bruder Conrad jedoch unterstützt Maria und verteidigt sie gegen die Anfeindungen. Maria wird als das Raupenmädchen bekannt, da sie Schmetterlinge bis ins Detail erforscht, zeichnet und sogar Kupferstiche davon anfertigt. Ihre Werke sind lebendig und sprechen von großem Talent. Doch je mehr Maria sich in ihrer Kunst wohlfühlt, desto weniger kann sie sich mit dem für sie vorhergesehenen Leben als Ehefrau arrangieren.
Maria lernt indessen den jungen Totengräber Christian kennen und schon bald entfacht zwischen den beiden eine Liebe, die voller Gefahren steckt.
Näher möchte ich gar nicht auf den Inhalt eingehen.
Viel mehr möchte ich anmerken, dass ich vom ersten Kapitel an in Maria und ihr Talent verliebt war. Ihr Talent hat mich fasziniert und ich konnte mir bildhaft vorstellen, wie ihre Bilder aussahen. Das habe ich dem Schreibstil der Autorin zu verdanken, denn Nicole Steyer hat Maria nicht nur mit sehr viel Liebe und Feingefühl dargestellt, sondern auch mit Begeisterung und ich würde schon sagen mit Ehrfurcht. Sie hat ihr den Respekt erwiesen, der Maria Sibylla Merian zu Lebzeiten wahrscheinlich nie entgegengebracht wurde.
Auf jeder Seite spürt man eine leise Zärtlichkeit zwischen Autorin und Hauptfigur. Das soll jetzt nicht kitschig klingen – aber ich habe das sichere Gefühl, dass „Der Fluch der Sommervögel“ ein absolutes Wunschprojekt der Autorin ist. Dieses Buch zu schreiben muss ihr wahrlich ein Vergnügen gewesen sein!
Hinzu kommt die Sprache mit der Nicole Steyer ausgezeichnet umgehen kann. Während andere Autoren ellenlang bestimmte Szenerien beschreiben, erfasst die Autorin kurz und prägnant Charaktereigenschaften und Emotionen ihrer Figuren und transportiert diese genau so zu ihren Lesern. Ich bin immer wieder aufs Neue verwundert wie man so etwas Großartiges schaffen kann!
„Der Fluch der Sommervögel“ ist keine Liebesgeschichte, keine Biographie und auch kein Krimi. Viel mehr ist es eine Wucht von einem Buch, das vollgespickt ist mit allen vorher genannten Elementen. DAS macht für mich gute Unterhaltung aus, die ich gerne lauthals weiterempfehle!
© Ricarda Ohligschläger

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Teresa Simon – Die Frauen der Rosenvilla

Anna Kepler, Erbin einer alten Schokoladendynastie, hat gerade ihre zweite Chocolaterie in der Dresdner Altstadt eröffnet. Auch die Familienvilla hat Anna wieder in Familienbesitz gebracht. Als sie den legendären Rosengarten, der der Villa einst ihren Namen gab, neu anlegt, stößt sie auf eine alte Schatulle. Sie enthält das Tagebuch einer Frau, die vor hundert Jahren in der Villa gelebt hat. Doch Anna hat noch nie von dieser Emma gehört und begibt sich auf Spurensuche. Dabei stößt sie auf ein schicksalhaftes Familiengeheimnis …
(Kurzbeschreibung laut amazon)
Anna Kepler, eine selbstbewusste und erfolgreiche Jungunternehmerin findet zufällig im Garten „ihrer“ Rosenvilla eine geheimnisvolle Schatulle. Diese beinhaltet Tagebücher dreier verschiedener Frauen, deren Namen Anna zunächst nichts sagen und je mehr Anna sich in die Lektüre der Blätter vertieft, umso mehr dringt sie in ein Familiengeheimnis, dessen Tragweite sie sich bis dato noch nicht bewusst ist.
Teresa Simon hat mit „Die Frauen der Rosenvilla“ eine Familiengeschichte verfasst, die zwei Weltkriege und damit verbunden viele Schicksale umfasst. Liebe, Leid, Tragik und Missgunst vereint sie zu einer lesenswerten Mischung aus vielen Schicksalsschlägen, die die Protagonisten erleiden müssen! Das ist nicht nur Kunst, sondern Berufung, denn zwischen den Zeilen spricht ein umfangreiches Wissen über beide Weltkriege und den Schauplatz Dresden. Es ist eine Zeitreise in die Vergangenheit mit anderen Wertvorstellungen als wir sie heute haben.
Aber der Roman erzählt auch über starke Frauen, die Teresa Simon facettenreich und liebevoll beschreibt. Ich wage zu behaupten, dass die Autorin ihre Figuren während des Schreibens nicht nur gemocht, sondern sogar aus tiefstem Herzen geliebt hat. Wie sonst ist es zu erklären, dass man so sehr mit ihnen fühlt und leidet!?
Und wer nach dem Lesen Heißhunger auf Schokolade hat findet im Anhang noch Rezepte zum Nachahmen und Naschen!
Insgesamt hat mich „Die Frauen der Rosenvilla“ sehr gut unterhalten. Es wäre sehr schade gewesen, wenn ich die Autorin und damit den Roman nicht durch Zufall für mich entdeckt hätte!
© Ricarda Ohligschläger
Damit auch ihr in den Genuss dieses wundervollen Romans kommen könnt, möchte ich ein Exemplar verschenken. Wer es gerne möchte, hinterlässt mir direkt unter dieser Rezension (nicht bei Facebook!) einen Kommentar. Auslosung ist Freitag Abend.
 
 

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Regina Gärtner – Unter dem Südseemond

Mit manchen Büchern verhält es sich eigenartig: Sie stehen geduldig in meinem Buchregal, Woche für Woche, manchmal monatelang, werden dann binnen weniger Tage verschlungen und hinterher frage ich mich warum die Geschichte so lange auf mich warten musste. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Bücher in meinem Buchregal erst dann zu mir kommen, wenn SIE wollen – wenn alles passt!
Das mag jetzt total kitschig klingen, aber wieso griff ich sonst erst jetzt zu „Unter dem Südseemond“ wo das Wetter draußen trist und nasskalt ist? Nun ja. es ist wie es ist. Ich habe das Buch gelesen und ich bin der festen Überzeugung einmal von innen heraus durchgewärmt worden zu sein. Klingt schon wieder kitschig, ist aber so. Nicht nur wegen der warmherzigen Charaktere, die die Autorin mit vielen Facetten ausgestattet hat, nicht nur wegen der schönen Landschaft und dem heißen Südseewind, der mir gefühlte hundert Male beim Lesen durch die kurzen Haare wehte – nein, das ganze Buch hat eine besondere Atmosphäre, die einen einmal gepackt nicht mehr loslässt.
Es ist das Jahr 1899. Die junge Alma Hinrichs wird gegen ihren Willen mit einem fremden Mann verheiratet. Bis vor Kurzem glaubte sie noch Hannes heiraten zu können, doch durch einen bösen Betrug aus den eigenen Reihen wendet sich ihr Schicksal drastisch. Almas Ehemann zieht es nach Samoa, wo Hermann mit viel Fleiß Karriere machen möchte.
Schnell gelingt es den beiden auf der Insel Fuß zu fassen. Sie sind gern gesehene Gäste und ebenso großartige Gastgeber. Alma freundet sich zudem mit der Ladenbesitzerin Heather an. Und diese hütet Almas großes Geheimnis!
Verwicklungen, große Gefühle, Intrigen und Leidenschaft – dieser Roman hat alles was es für gemütliche Lesestunden vor dem Kamin benötigt. Regina Gärtner hat mich von der ersten Seite an mit ihren Hauptfiguren gefesselt und ich freue mich jetzt schon auf die bald erscheinende Fortsetzung: „Der Glanz von Südseemuscheln“.
Die überraschenden Wendungen sorgen von Anfang bis zum Ende für eine ordentliche Prise Spannung und man spürt gar nicht wie die ca. 580 Seiten an einem vorbeifliegen. Bitte mehr davon!
© Ricarda Ohligschläger

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Deana Zinßmeister – Der Pestreiter

„Der schwarze Tod kehrt zurück …
Trier 1652: Auch vier Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg kommen die Menschen in Kurtrier nicht zur Ruhe. Ein geheimnisvoller Reiter verbreitet Angst und Schrecken, angeblich bringt er die Pest zurück. Der junge Schweizer Urs versucht deshalb verzweifelt, ein Heilmittel gegen die Krankheit zu finden. Währenddessen hofft seine Freundin Susanna, die aus ihrer Heimat im Saarland flüchten musste, mit seiner Hilfe die Schrecken ihrer Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Doch dann scheint Urs plötzlich nichts mehr von ihr wissen zu wollen …“ (Kurzbeschreibung laut amazon)
„Der Pestreiter“ ist die Fortsetzung zu „Das Pestzeichen“. Allerdings kann man beide Bände auch unabhängig voneinander lesen. Man muss den Vorgängerroman nicht zwangsweise kennen.
Deana Zinßmeister entführt ihre Leser nach Trier, wo die Pest erneut um sich greift. Urs und Bendicht eröffnen abseits der Stadt ein Pesthaus und hoffen so die Seuche eindämmen zu können. Allerdings sind beide gleichzeitig daran interessiert ein Heilmittel gegen den schwarzen Tod zu finden. Doch leider ist die Forschung zur damaligen Zeit durch die Kirche eingeschränkt. Wer diese Gebote übertritt, den erwartet das Fegefeuer… 
Wisst ihr liebe Blogleser, es gibt Bücher in die taucht man direkt auf den ersten Seiten ein wie in einen See, sie umspülen dich mit ihren Charakteren, wiegen dich auf ihren Spannungswellen und tauchen dich mit Hilfe von Intrigen oder überraschenden Wendungen unter. Manchmal hat man große Atemnot beim Lesen solcher Bücher, blättert quasi mit stockendem oder angehaltenem Atem eine um die andere Seite weiter, dann wieder hechelt man vor Aufregung oder bekommt rote Wangen – gerade so als wenn du schwimmst in diesem See, in den du gezehrt wurdest!
So ein Buch ist „Der Pestreiter“ von Deana Zinßmeister. Nicht viele Autorinnen haben die Gabe mir mit einem Buch all das zu geben, was ich mit einem Wort als „Leseleidenschaft“ bezeichnen würde. Laut Wikipedia ist Leidenschaft „völlig ergreifende Emotion“ und da bin ich schon beim Punkt. Wenn ich ein Buch lese, möchte ich mitfiebern, schimpfen, zittern, leiden, lachen und seufzen. DAS alles möglichst noch nacheinander, durcheinander und mit einem Mal.
Ich möchte, dass die Seiten nur so fliegen, weil ich es nicht mehr aushalte zu erfahren was als nächstes passiert. Ich möchte Mord, Totschlag und Liebe erleben und die Schauplätze vor meinem inneren Auge sehen. Ja, und manchmal möchte ich das Gefühl haben, dass dieses eine Buch nur für mich geschrieben wurde, um mich gut zu unterhalten.

Und jawohl zum Teufel Deana Zinßmeister rührt mich genau an diesem Punkt. Ihre Bücher entführen mich nicht nur an wunderbare, bildgewaltige historische Schauplätze, sondern sie besitzt die Fähigkeit mir ihre Figuren liebevoll, aber mit einer Hingabe aufzudrücken, dass ich Seite für Seite mehr glaube nicht mehr ohne sie leben zu können.
Um es kurz zu machen: ich finde leider nicht genug Worte, um diesen Roman so zu beschreiben wie er es verdient hätte. Daher glaubt mir, wenn ich euch mit meinen Zeilen meine uneingeschränkte Leseempfehlung mit auf den Weg gebe. Ich habe mich ausgezeichnet unterhalten gefühlt und habe spannende Lesestunden verbringen dürfen.
© Ricarda Ohligschläger