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Rezensionen Historische Romane

Rezensionen/ Rezensionen Historische Romane

Anne Jacobs – Rückkehr in die Tuchvilla

Anne Jacobs – Rückkehr in die Tuchvilla ©Blanvalet

Augsburg 1930. Marie und Paul Melzer sind glücklich, und ihre Liebe ist stärker denn je – gekrönt von ihrem dritten Kind, dem mittlerweile vierjährigen Kurti. Doch aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise und den schweren Zeiten muss Paul um das Überleben seiner Tuchfabrik kämpfen. Als er an einer Herzmuskelentzündung erkrankt, springt Marie ein, um das Unternehmen vor dem Ruin zu retten, denn es steht nichts anderes als das Schicksal der ganzen Familie auf dem Spiel. Wichtige Entscheidungen sind zu treffen, denn auf den Schultern der Familie Melzer lasten hohe Kreditschulden. Nur, wenn jetzt alle zusammenhalten, ist ihre geliebte Tuchvilla noch zu retten. Doch auf eines können sich alle verlassen: Wenn die Not am größten ist, ist die Hilfe am nächsten.

SPIEGEL-Bestsellerautorin Anne Jacobs bei Blanvalet:

Die Tuchvilla-Saga:
1. Die Tuchvilla
2. Die Töchter der Tuchvilla
3. Das Erbe der Tuchvilla
4. Rückkehr in die Tuchvilla

Im vierten Teil der Tuchvilla geht es nicht immer ruhig zu. Marie und Paul müssen sich mit den politischen Gegebenheiten arrangieren und einen Teil ihrer Tuchvilla stilllegen, um die Tuchvilla, das Ansehen der Familie und natürlich in erster Linie die Fabrik zu retten.
da wird schon mal ein Tannenbaum wieder abbestellt, Fleisch reduziert und auf fette Sahnetorten verzichtet – erst Recht wenn es manchen nicht passt, aber Paul und Marie halten zueinander und stehen Kritik an ihren Entscheidungen durch.

Auch Tilly trifft weitreichende Entscheidungen für sich und ihre Zukunft. Nach einem beruflichen Misserfolg versucht sie privat und beruflich ihren Weg neu zu finden, was ihr trotz einiger Schwierigkeiten und Missverständnisse gelingt.

Dodo und Leo entwickeln sich derweil prächtig und sind zwischenzeitlich zu eigenständigen und klugen Teenagern herangewachsen, die an ihren Träumen festhalten. Dodo tut das eher bewusst, Leo hingegen wehrt sich nach einem kreativen Desaster gegen sein großes Talent. Später sieht er ein, dass es für ihn nur eines gibt: Musik!

Doch was wären all diese Schicksale ohne die Geschichten der Dienerschaft? So trägt Anne Jacobs ihre Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit des Küchenmädchens Liesl und lässt sie teilhaben an dem Schicksal eines Kindes, welches auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater ist. Hoffnungen, Ängste und Enttäuschungen verpackt sie spannend und berührend, sodass selbst über 600 Seiten an keiner Stelle langatmig werden.

„Rückkehr in die Tuchvilla“ ist perfekt für lange Winterabende gemacht und entführt seine Leser in eine Zeit voller Wohlstand, Gegensätzlichkeiten und schüchterner Romanzen.
©Ricarda Ohligschläger

Rückkehr in die Tuchvilla: Roman (Die Tuchvilla-Saga, Band 4)
Das Erbe der Tuchvilla: Roman (Die Tuchvilla-Saga, Band 3)
Die Tuchvilla: Roman (Die Tuchvilla-Saga 1)
Die Töchter der Tuchvilla: Roman (Die Tuchvilla-Saga, Band 2)
Rückkehr in die Tuchvilla: Roman (Die Tuchvilla-Saga, Band 4)
Das Erbe der Tuchvilla: Roman (Die Tuchvilla-Saga, Band 3)
Die Tuchvilla: Roman (Die Tuchvilla-Saga 1)
Die Töchter der Tuchvilla: Roman (Die Tuchvilla-Saga, Band 2)
Rezensionen/ Rezensionen Historische Romane/ Unterhaltung & Roman

Deana Zinßmeister – Die vergessene Heimat - Werbung -

Die vergessene Heimat von Deana Zinßmeister ©Goldmann

Die Geschichte von der Flucht ihrer Eltern aus der DDR kennt Britta Hofmeister seit Kindesbeinen. Sie selbst kam in der Bundesrepublik zur Welt, wuchs mit ihren Geschwistern behütet auf und hatte nie Grund, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Bis ihr Vater an Demenz erkrankt. Zunehmend verwirrt, beginnt er, von früher zu erzählen. Und bald wird klar: Was bei der Flucht 1961 wirklich geschah, hat er jahrzehntelang verschwiegen. Nun kommt die dramatische Wahrheit ans Licht und stellt die Familie vor eine Zerreißprobe …
(Quelle: randomhouse.de)

Deana Zinßmeister ist vielen bereits bekannt als Autorin historischer Romane, die sie mitreißend, realistisch und vor allen bitgewaltig schreibt. Ihre Bücher sprechen von der Leidenschaft für Geschichte und von viel Interesse an der Recherche.

Im aktuellen Roman führt sie ihre Leser ebenso wieder in die Vergangenheit. Zwar nicht in die Zeit der Pest oder Burgen, aber auch in die „Die vergessene Heimat“ geht es um erschütternde Wahrheiten und Menschen, die für ihr Glück alles auf sich nehmen.

„Die vergessene Heimat“ basiert auf der wahren Geschichte ihrer Eltern und erzählt davon wie ihr Vater an Demenz erkrankt. Mit Fortschreiten der Krankheit offenbart er seinen hilflosen Kindern  immer mehr Details zu Zeiten des Mauerbaus 1961 und seiner darauf folgenden Flucht aus der DDR.

In Rückblenden beschreibt die Autorin die damalige Situation für Leni und Ernst. Persönliche Niederlagen, Rückschläge und vor allen das Gefühl eingesperrt zu sein. Ernst arbeitet damals noch im Westen und hat als Grenzgänger zunächst Vorteile, doch die sich mehrende Überwachung durch den Staat, das ständige Gefühl beobachtet zu werden oder die Angst eine falsche Äußerung zu tätigen verstärken seine Pläne in den Westen zu gehen.

In der Gegenwart beschreibt sie die Hilflosigkeit als Angehörige eines dementen Familienmitglieds. Zunächst ist große Sorge im Vordergrund, aber es gibt auch Streit zwischen den Geschwistern, weil nicht alle den Ernst der Lage sehen bzw. sehen wollen. Mich hat das sehr berührt! Solche ein Schicksalsschlag ist sicher nicht leicht.

Was jedoch tröstet – und das spürt man immer wieder -, dass zwischen Leni und Ernst eine große Verbundenheit herrscht! Hier haben sich zwei starke Charaktere gefunden, die trotz aller Widrigkeiten an ihrem Traum ihren Kindern eine bessere Zukunft zu bieten festhalten.

Deana Zinßmeister hat mich mit in „Die vergessene Heimat“ sehr bewegt, mitgerissen und begeistert. Eine klare Empfehlung nicht nur für Leser, die das Thema Republikflucht und die ehemalige DDR fasziniert, sondern auch für Angehörige von an Demenz erkrankten Familienmitgliedern.

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Teresa Simon – Die Lilienbraut - Werbung -

Die Lilienbraut von Teresa Simon ©Heyne

Köln in den Vierzigerjahren. Die junge Nellie Voss hat gerade eine Stelle bei 4711 angetreten. Schnell wird ihr klar, dass sie ein untrügliches Gespür für Düfte hat. Ab und zu vergisst sie darüber sogar, dass ein schrecklicher Krieg tobt. Doch noch mehr beschäftigt sie ihre aussichtslose Liebe zu einem Mann, den sie nicht haben darf …

Köln in der Gegenwart: Nach ihrer schmerzhaften Trennung eröffnet Liv einen kleinen Laden für Seifen und Düfte im Stadtviertel Ehrenfeld. Eines Tages begegnet sie auf der Straße zufällig einer geheimnisvollen weißhaarigen Dame, die bei ihrem Anblick regelrecht erschüttert ist und sie beschimpft. Wer ist sie, und was verbindet sie mit Liv? (Quelle: Randomhouse)

Alle bisher erschienenen Bücher der Autorin habe ich bisher verschlungen und auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht.

Mit „Die Lilienbraut“ hat Teresa Simon wieder einmal eine emotionsgeladene und spannungsvolle Geschichte kreiert.
Ich liebe ihren Stil ihre Geschichte auf zwei Zeitzonen zu verteilen und damit Spannungsbögen und Verbindungen zu knüpfen.
Mit Nellie entführt sie uns in die vierziger Jahre und dann begegnen wir Liv im Heute. Dort eröffnet diese in Ehrenfeld das „Göttliche Düftchen“, mit dem sie sich nach der Trennung vom Vater ihres Kindes einen Lebenstraum erfüllt. Schnell fasst sie Fuß und hat schon bald einen kleinen Kundenstamm zusammen.
Doch ein Anschlag macht sie sehr nachdenklich. Hat sie Feinde?

Auch Nellie hatte Feinde, denn in den Kriegswirren des zweiten Weltkrieges verliebt sich sich unsterblich. Doch diese Liebe ist so wahr sie ist gefährlich und anderen Menschen ein Dorn im Auge!
Teresa Simons Figuren sind immer von Fazettenreichtum und Glaubwürdigkeit geprägt. Sie macht es einem sehr einfach ihre Charaktere realistisch zu betrachten und bisher habe ich alle ihre Bücher nicht aus der Hand legen können, bis ich sie ganz verschlungen hatte.

Dass man mit ihren Figuren mitleidet, ist dabei selbstverständlich und so nah mir Köln-Ehrenfeld auch ist. Mit „Die Lilienbraut“ war es mir noch näher, weil ich während des Lesens diese lebhafte Viertel direkt vor Augen hatte!
©Ricarda Ohligschläger

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Eva Völler – Ein Gefühl von Hoffnung – Ruhrpott-Saga Teil 2 - Werbung -

Das Ruhrgebiet Ende der 1950er Jahre: Das drohende Zechensterben treibt die Bergleute auf die Barrikaden. Johannes, der sich nach seinem schweren Unfall als Gewerkschafter engagiert, kämpft für die Interessen der Belegschaften. In diesen Zeiten des Umbruchs suchen die junge Buchhändlerin Inge und ihre rebellische Schwester Bärbel ihren Platz im Leben, jede auf ihre Art. Doch immer mehr Konflikte belasten den Familienfrieden, als eine unmögliche Liebe entsteht … (Quelle: randomhouse)

Auch im zweiten Fall der Ruhrpott-Saga entführt Eva Völler ihre Leser erneut in eine Zeit voller Aufschwung und Hoffnung, aber auch strenger Sitten und Engstirnigkeit. So hat die junge Bärbel mit den Anforderungen des Lebens zu kämpfen und muss befürchten, dass sie von der Schule fliegt während Inge ihre Ausbildung abgebrochen hat, um für Johannes und Jakob dazu sein. Was niemand ahnt: Inge empfindet mittlerweile mehr für Johannes und ihre Beziehung mit Peter ist lange nicht die Erfüllung nach der sie sucht.

Eva Völler greift Themen wie Homosexualität und Alkoholsucht auf und zeichnet damit ein gesellschaftliches Bild dieser Zeit, dass heute erschreckend und klar betrachtet menschenverachtend ist. Für mich ist es absolut nicht mehr vorstellbar, dass bestimmte Lebensformen strafbar sind und man mit Gefängnis bestraft wird. Und ich glaube da geht es einigen Lesern so.
Trotz alledem schafft sie aber auch die Menschlichkeit, den Zusammenhalt vieler Leidensgenossen in diesen schweren Zeiten lebendig werden zu lassen, sodass ich traurig war, als auch dieser Teil auslesen war. Mir waren die Personen so ans Herz gewachsen. Ich könnte mir diese Saga sehr gut als Zweiteiler im ZDF o.ä. vorstellen.

Ihren Schreibstil und ihre Fähigkeit Charaktere facettenreich und realistisch zu beschreiben werde ich sehr vermissen.
©Ricarda Ohligschläger

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Andreas Izquierdo – Schatten der Welt - Werbung -

Schatten der Welt – Direkt zur Leseprobe

Schatten der elt von Andreas Izquierdo ©Dumont

Thorn in Westpreußen, 1910. Der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi sind frohen Mutes, dass der Ernst des Lebens noch ein wenig auf sich warten lässt. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens »Halley« die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei Jugendlichen schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht.
Doch das Erwachsenwerden lässt sich nicht aufhalten: Carl beginnt eine Ausbildung zum Fotografen, Artur und Isi werden ein Paar. Als 1914 die große Weltpolitik über sie hineinbricht, reißt es die Freunde auseinander. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten.
1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war – und doch scheint ein Neuanfang möglich …
Mitreißend und mit viel Gefühl für seine Figuren erzählt Andreas Izquierdo die Geschichte dreier Jugendlicher, die in den Wirren des frühen 20. Jahrhunderts ihren Weg suchen. ›Schatten der Welt‹ ist Abenteuerroman, Coming-of-Age-Geschichte und spannender historischer Roman zugleich. (Kurzbeschreibung von Dumont)

“Schatten der Welt” ist ein großartiges Buch und verdient unbedingt gelesen zu werden

Dies sei vorab schon mal gesagt. Ich habe dieses Buch innerhalb von zwei Tagen verschlungen, weil ich einfach nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Es ist so unfassbar schön, bewegend und hat mich nicht eine Minute losgelassen!

Carl Friedländer ist ein schüchterner Junge, der seinem Vater in der kleinen Schneiderei so gut es geht zur Hand geht. Rituale machen das Leben der beiden aus und eine große Vater-Sohn-Liebe. Die Aufträge kommen sporadisch und sind manchmal etwas Außergewöhnlich. So spielen Carl und sein Vater an einem ganz besonderen Abend Geige für die etwas höhere Gesellschaft der Familie Bossen und werden direkt Augenzeuge von Klassenunterschieden und  Ungerechtigkeit!

“Zu den wenigen Vergnügungen in jener Zeit gehörte für mich das abendliche Musizieren mit meinem Vater, soweit uns keine dringenden Aufträge zur Arbeit zwangen. ” (Seite 48)

Doch Carl lässt sich nicht beirren weiterhin von einer besseren Zukunft zu träumen. Er möchte Fotograf werden! Auch sein bester Freund Artur hat große Pläne. Mit viel Witz, Mut und Einfallsreichtum zieht er den Leuten das Geld aus der Tasche. Aber wie die Geschichte zeigt, ist er nicht der Einzige, der das Talent dazu hat.

“Isi schubste mich auffordernd, dann trat auch sie mit Masken vor und pries die neueste Erfindung der Berliner Charité an” (Seite 106)

Isi ist die Tochter eines Lehrers und leidet sehr unter ihrem strengen Elternhaus. Immer wieder widersetzt sie sich den Verboten und muss bald schon die Folgen ihres Handelns tragen.
Die drei Freunde könnten unterschiedlicher nicht seinund doch ist es genau das, was dieses Buch so unfassbar schön macht. Zwischen den dreien ist eine starke Verbundenheit zu spüren und jeder würde jederzeit für den anderen einstehen. Ihre bewegte Kindheit, der Trotz auf die gesellschaftlichen Normen und die Naivität, die sich langsam aber sicher in ein erwachsenen Denken ändert, das alles zeichnet diese Freundschaft aus. Selbst als die Welt mit Einzug des Krieges zu zerbrechen droht und jeder sein Leben selbst in die Hand nehmen muss, spürt man eine enge Verbindung der drei Freunde. Sie teilen ihre Sorgen und Nöte, Ängste und Zweifel und vor allen die vielen kleinen glücklichen Momente.

Vieles davon liest man zwischen den Zeilen, die Andreas Izquierdo in “Schatten der Welt” schreibt. Ihm ist damit ein fantastisches Buch gelungen, dass fesselt, beseelt und noch lange nachwirkt. Es sind ganz besonders die Charaktere, die es ausmachen. Viele davon begleiten die drei Freunde ihr ganzes Leben auf positive und negative Art und Weise und dies erklärt dann wohl auch den Sog, den dieses Buch auslöst.

“Schatten der Welt” ist ein wahrhaftig passender Titel für dieses Buch, denn wo Dunkelheit ist, da ist auch Licht und Artur, Isi und Carl sind sich gegenseitig eines in einer Zeit in der vieles im Dunkeln liegt.

Eine absolute Leseempfehlung für ein unfassbar schönes und berührendes Buch!
©Ricarda Ohligschläger

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