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Interviews mit Autoren

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Interview mit Regina Gärtner

Liebe Regina, deine Bücher spielen in „fernen Ländern“ und dahin geht auch meine Frage, hast du die Orte/ Länder, welche du in deinen Romanen beschreibst, schon selbst besucht oder steht dies noch auf deiner Wunschliste?
Ich leide ständig unter Reisefieber und war schon mehrmals auf allen fünf Kontinenten, auch auf Inseln im Pazifischen Ozean und mehrere Male in Australien, aber bis nach Samoa habe ich es nur in meinen Planungen und Träumen geschafft.
Samoa ist eine tropische Inselgruppe, was bedeutet, es gibt keine Jahreszeiten, sondern nur Trockenzeit und Regenzeit. Ganzjährig ist dort eine schwül-warme Temperatur, diese tropische Lage birgt allerdings auch immer die Gefahr von großen Wirbelstürmen, die im südlichen Pazifik Zyklone genannt werden. Und nicht nur Alma ist Opfer eines solchen Sturmes geworden, sondern auch meine Reisepläne. Eigentlich wollte ich mit meinem Mann im Januar/Februar 2013 zur Recherche nach Samoa reisen, aber Mitte Dezember fegte ein Zyklon über die Inseln, mit einer gewaltigen Zerstörungskraft. Wir mussten unsere Reise leider aufschieben. Aber die Pläne sind nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Samoa steht definitiv noch ganz weit oben auf meiner Löffelliste.
Wie kommt es, dass du dich genau für dieses Land als Spielort deines Romans entschieden hast? Hat dies persönliche, politische oder ggfs. sogar andere Hintergründe?
Deutschlands Kolonialgeschichte ist ja eher kurz und bescheiden, und dennoch unglaublich spannend. Die deutschen Kolonien sind seit knapp zwanzig Jahren ein Thema, was mich zunehmend mehr interessiert hat. Die Vorstellung, Deutschland in der Fremde, ob nun Afrika, Asien oder in der Südsee zu finden, hat mich fasziniert.
Dass der Handlungsort Samoa – die Perle der Südsee, wie man sie damals nannte – wurde, hat dann etwas mit der gezielten Recherche zu tun, die ich für das Buch betrieben habe. Hier gab es am ehesten die Verbindung nach Australien, die ich gerne wollte. Und mit keiner Kolonie verbindet sich diese träumerische Vorstellung von türkisblauem Meer, weißen Palmenstränden und wunderschönen Menschen mehr als mit Samoa. Gleichzeitig war hier aber ein großer Handelsposten und es gab die Briten und Amerikaner, die ebenfalls Anspruch auf die Inseln erhoben. Also, die idealen Voraussetzungen für einen Roman, der sowohl idyllisch, als auch spannend werden sollte.
In „Der Glanz von Südseemuscheln“ wird „Unter dem Südseemond“ – der ja wenige Monate vor dem Ersten Weltkrieg endet, weitergeführt.  Er erzählt die Geschichte in der Zeit von „The great war“, wie der 1. Weltkrieg damals genannt wurde. Das ist ein fast völlig vergessenes Thema: Wie erging ist es den Deutschen, die abseits Europas lebten, im Ersten Weltkrieg? Sowohl die Deutschen in den Kolonien als auch die deutschen Einwanderer in Australien hatten ein ganz besonderes Schicksal.
Das ist ein spannendes Kapitel der deutschen Geschichte, über das ich zunächst auch nicht viel wusste. Die Recherchen dazu waren sehr umfangreich, da ich häufig nicht mehr auf deutsche Quellen zurückgreifen konnte, sondern in neuseeländischen und australischen Online-Archiven danach suchen musste.
Hast du schon einmal darüber nachgedacht nach Australien auszuwandern?

Oh ja, mehrmals und auch immer wieder. Aber Australien ist so weit weg, dass man nicht einfach ein paar Mal im Jahr zu Besuch kommen kann. Und meine familiären Banden und Freundschaften möchte ich nicht auf Eis legen. Also wird das wahrscheinlich nichts mehr. Allerdings habe ich immer noch den Traum, mal für ein halbes Jahr in der Nähe von Sydney unseren Winter überbrücken zu können. Das wäre mein großer Traum.
Wird es eine weitere Fortsetzung der Geschichte um Alma und Joshua bzw. deren Familie geben? Arbeitest du bereits daran?
Möglich ist alles. Auch der erste Roman >Unter dem Südseemond< war ja eigentlich als Einzeltitel gedacht. Durch die vielen positiven Rückmeldungen habe ich mich damals entschlossen, den weiterführenden Roman zu schreiben. Es hängt aber auch immer vom Verlag ab, was der gerade als besonders vermarktbar ansieht, und was der Buchhandel einkauft. Ich persönlich könnte mir allerdings sowohl eine Nachfolgegeschichte von >Der Glanz von Südseemuscheln< als auch noch eine Art Prequel zu >Unter dem Südseemond< vorstellen.
Könntest du dir auch vorstellen in einem anderen Genre zu schreiben? Welches wäre das dann?
Mein erstes veröffentlichtes Buch war der Krimi >Tödliche Schöpfung< – der übrigens im Juni als E-Book neu aufgelegt wird – , dann kamen einige Kurzgeschichten, danach reine Liebesgeschichten und jetzt die historischen Romane. Ich würde sagen, ich bin sehr offen für neue Genres. Eigentlich ist es so, dass ich mir vorstellen kann, alles, was ich auch gerne selber lese, schreiben zu können. Und da sind durchaus noch einige andere Genres offen – wie zum Beispiel Fantasie.
Was ist das Reizvolle für dich daran, historische Romane zu schreiben?

Jedes Genre hat seine eigene Faszination, und bei den historischen Geschichten bin ich fasziniert davon, mir durch das Eintauchen in eine vergangene Welt die vergangene Zeit, das Zeitgeschehen und unsere gesellschaftliche Entwicklung von damals bis heute klarzumachen. Ich lerne so viele spannende Dinge und überraschende Details, dass mir die Recherche häufig mehr Spaß bereitet, als das Schreiben selber.
Außerdem ist es eine echte Herausforderung, den schmalen Grat zu treffen, zwischen authentischer und korrekter historischer Darstellung auf der einen Seite, und auf der anderen Seite eine Form zu finden, die es einem modernen Menschen ermöglicht, sich in die jeweilige Epoche hinein zu finden.
Du pflegst regen Kontakt mit deinen Fans auf Facebook – was macht diesen Austausch für dich besonders interessant?
Ich beschränke mich zwar auf Facebook und Lovelybooks, aber vor allen Dingen aus einer Frage der Zeit heraus. Ein gutes soziales Netzwerk ist sehr wertvoll. Mir ist es sehr wichtig, Kontakt mit meinen Leserinnen, meinen Autorenkolleginnen, den vielen Bloggerinnen und anderen Menschen aus der Buchbranche zu halten.
Gute Netzwerke sind eine hilfreiche Quelle für Informationen jeder Art. Und die erhalte ich genauso gerne online wie offline, wie z. B. auf Treffen auf Messen und Conventions. Dort kann ich Menschen persönlich kennenlernen, die ich oft zuvor online kennengelernt.
Zudem halte ich viel von der sogenannten Schwarmintelligenz – es gibt immer jemanden, der einem bei speziellen Fragen weiterhelfen kann. Diese Art der schnellen Kontakte hätte man ohne die sozialen Netzwerke heute nicht.
Liebe Regina, vielen Dank für dieses sehr interessante Interview!
Die Bücher aus der Verlosung gehen an
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Sonja Werkowski
Melanie Truhoel
Herzlichen Glückwunsch!
Die Interviewfragen stammen aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”

Interviews mit Autoren

Interview mit Brigitte Riebe

 
Liebe Brigitte Riebe, ich habe auf Ihrer Homepage gesehen, dass Sie bisher schon zahlreiche Veröffentlichungen für sich verbuchen können. Wie schaffen Sie es, dieses Pensum zu bewältigen?
Na ja, das „Pensum“ erstreckt sich inzwischen über 24 Jahre … da ich ausschließlich vom Schreiben lebe, ist es gar nicht so riesig, finde ich. Es gibt einfach nichts auf dieser Welt, das ich lieber tue (mit Ausnahme von lesen, aber das kann/muss ich ja für diesen Beruf in großem Ausmaß). Außerdem bin ich ein neugieriger Mensch. Und immer wieder neue Geschichten zu erzählen, macht mir große Freude. 
Ihr aktueller Roman „Die Versuchung der Pestmagd“ spielt in Mainz. Warum haben Sie sich gerade diese Stadt als Handlungsschauplatz ausgewählt?
Mainz musste sein, weil ich die faszinierende Gestalt des Kurfürsten Albrecht von Brandenburg erzählen wollte – Lutherfeind, Kunstmäzen, Unterstützer des Jesuitenordens, Renaissancefürst, wie er im Buch steht, Kardinal – und allen Weiberröcken hinterher. Was ihm letztlich nicht gut bekommen ist. Wir gehen heute davon aus, dass ihn die Syphilis (damals noch „Lustseuche“ oder „Französische“, „Englische“ oder „Italienische Krankheit genannt, je nachdem, wie man war, dahingerafft hat – und der residierte nun mal in Mainz. Meine Hauptprotagonisten Johanna und ihr Lebensgefährte, der Medicus Vincent de Vries, mussten aus Köln fliehen, wo der Vorgängerband „Die Pestmagd“ spielt.
Was hat Sie dazu inspiriert, sich in Ihrem Roman den Pocken zu widmen?
Neben der Pest waren die Pocken – auch Blattern genannt – eine der schlimmsten Seuchen, die über Jahrhunderte das Leben der Menschen bedroht haben. Traten sie gar als „Schwarze Blattern auf, starb man innerhalb von 48 Stunden. Es gab kein Gegenmittel, außer sofortiger Flucht. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Impfung in Europa bekannt (die Chinesen begannen damit bereits ab dem 6. Jahrhundert zu experimentieren). Jeden konnte sie treffen – egal, ob jung oder alt, reich oder arm – Marie Antionette kam als Braut für den französischen Dauphin nur an die Reihe, weil die Pocken zwei ihrer älteren Schwestern entstellt und damit als Heiratsware „unbrauchbar“ gemacht hatten. Wenn man also überlebte, war man ein Leben lang gezeichnet.  
Sie haben in der Recherche sicherlich einen großen Vorteil wegen ihres Studiums, wie aber lässt sich das in Geschichten kleiden?
Ein geisteswissenschaftliches Studium bietet die Grundlagen von Literaturbeschaffung und –verwertung, da ist die Fachrichtung gar nicht zu entscheidend. Und ein Studium der Geschichte ist eine wunderbare Grundlage, weil einfach Zusammenhänge klarer sind, die ich tatsächlich in einigen anderen angeblich „historischen“ Romanen schmerzlich vermisse. Dann aber muss auch ich bei jedem Thema von neuem in die Tiefe gehen – sehr arbeitsintensiv –,wenn ich das Gerüst mit Leben füllen möchte. Ich finde, das haben die Leser von historischen Romanen verdient: keine hingeschluderten „Vermutungen“, sondern echte Informationen, die in Romanstoff gut verpackt sind. Wenn ich einen historischen Roman lese, will ich nicht nur gut unterhalten sein, sondern „nachher“ deutlich mehr wissen. Das ist mein Anspruch. So schreibe ich meine Texte.
Sie sind promovierte Historikern. Was jedoch war der Auslöser Autorin zu werden? Und wie kam es dann zu Ihrer ersten Veröffentlichung?
Ich habe schon mit 5 Jahren begonnen, anderen Kindern Geschichten zu erzählen, habe mit 8 meinen ersten „Roman“ in ein Schulheft geschrieben, auf dem Gymnasium Kurzgeschichten und kleine Theaterstücke verfasst, nach dem Abi Germanistik studiert, weil ich die Literatur so liebe – um dann auf der Uni festzustellen, dass Geschichte für mich noch eine größere, heißere Liebe ist. Deshalb habe ich mir auch dieses Fach für meine Promotion ausgesucht und während ihrer Entstehung über zwei Jahre wohl eine der glücklichsten Zeiten meines Lebens erlebt. Forschen und Schreiben – das war der Himmel für mich, und ich musste ordentlich schlucken, als ich nach dieser freien, kreativen Phase schließlich ins Berufsleben einsteigen musste. Allerdings habe ich die Arbeit im Verlag als Lektorin auch sehr gemocht – nur wurde der Wunsch, selbst zu schreiben, immer stärker. Den letzten Anstoß hat für mich wahrscheinlich die Begegnung mit dem wunderbaren Filmemacher Edgar Reitz gegeben, mit dem mich inzwischen eine 30jährige Freundschaft verbindet: sich selbst treu zu bleiben und genau das zu tun, was man tun will – von ihm in seinem weltberühmten HEIMAT-Werk so grandios bewältigt.
Ich habe mich seit meiner Kindheit für griechische (und andere) Mythen interessiert und vermutlich alles „gefressen“, was es dazu gibt. So kam ich notgedrungen auf die Werke von Ranke-Graves – und plötzlich wurde mir klar, dass das, was wir über das kretische Labyrinth bislang vorgesetzt bekamen, bestenfalls eine Seite der Medaille ist. Da mir die Insel mit der großen Geschichte auch von zahlreichen Reisen bestens bekannt war – wurde an einem sonnigen Sonntag die Idee für „Palast der blauen Delphine geboren“ – nicht nur die Geschichte von der Initiation des Lilienprinzens. Sondern gleichzeitig auch meine persönliche Initiation …
Und weil alles dauerte, bis der Roman mit Überarbeitungen und dem Finden des richtigen Verlags schließlich fertig war, wurden zwischendrin  die Krimis meiner Sina-Teufel-Reihe geboren … 
Wenn Sie die Möglichkeit hätten in die Vergangenheit zu reisen, welche Zeit würde Sie am meisten reizen bzw. bei welchem historischen Ereignis wären Sie gerne dabei  gewesen?
Eindeutig die Französische Revolution – trotz aller Schrecknisse! Ich bin eine leidenschaftliche Anhängerin der Aufklärung, weil für mich erst damit die Moderne so richtig beginnt.  Also: Brigitte mittendrin im Sturm auf die Bastille – das wäre was! 
Wie sieht bei Ihnen ein normaler Schreibtag aus?
Lang und intensiv … meistens -…
Legen Sie den Handlungsstrang im Vorfeld fest oder entwickelt sich Ihre Geschichte beim Schreiben?
Beides. Die großen Linien werden natürlich im Vorfeld konzipiert, aber vieles entsteht dann während des Schreibens. Figuren entwickeln ein Eigenleben, meine tun das jedenfalls, und lassen sich dann nicht immer so bewegen, wie ich es ursprünglich geplant hatte. Außerdem gibt es in jedem Werk – so war es jedenfalls bislang – eine Nebenfigur, die mehr Raum für sich beansprucht, als ich ihr eigentlich anfangs zugestehen wollte. Ich lasse mich dann darauf ein – und hab es bislang noch nie bereit …
Die Romane „Die Kalte Sofie“ und „Vogelfrei“ haben Sie zusammen mit Gesine Hirsch geschrieben. Wie klappt so eine Zusammenarbeit, wenn man bereits alleine Geschichten veröffentlicht hat? Gibt es da nicht auch Konfliktpotential, weil man eben nicht sein eigener Herr ist?
Wir sind Freundinnen seit 25 Jahren, schätzen und lieben uns, das ist die allerbeste Grundlage: Sie kommt von Drehbuch, war Headautorin des Quotenhits des BR „Dahoam is dahoam“, ich bringe meine Erfahrung als Romanschriftsellerin ein – also allerbeste Voraussetzungen. Manchmal diskutieren wir, bis uns die Köpfe rauchen, dann wieder lachen wir uns halb kaputt. Jede vertraut der anderen. Und Streit? Welcher Streit???
Nicht bei der „Gruberin“!
Planen Sie weitere Projekte mit Gesine Hirsch?
Die „Gruberin“ sitzt gerade am 3. Fall „Blaues Blut“ –erscheint August 2015 …  
Mit „Feuer & Glas“ haben Sie sich an einen fantastischen Roman für junge Leser gewagt. Wie kam es zu dem Genrewechsel?
Weil ich so  gern „Historie“ auch für junge Menschen erzählen wollte. Und da die Kids jetzt alle so fantasylastig unterwegs sind, habe ich eben noch einen kräftigen Schuss Fantastik mit hinein gemischt. „Fantory“ so hat Arndt Stroscher von Astrolibrium“ das genannt – und ich finde, es gibt keine bessere Bezeichnungen für meine beiden Romane, die in Venedig (ein Traum!) und Istanbul (die Stadt der Städte“) spielen …
Lesen übrigens auch viele Erwachsene  mit großem Vergnügen …  
Haben Sie schon weitere Projekte in Arbeit?
Aber natürlich … alles leider noch streng geheim … 
Wenn Sie schreiben – wie kann ich mir das vorstellen? Schlüpfen Sie in gewisser Weise in die Rolle ihrer Pseudonyme oder sind die Pseudonyme nur zur besseren Abgrenzung für den Leser gedacht? 
Pseudonyme sind Verlagsentscheidungen, weil sie hoffen, damit bestimmt Bücher leichter an gewisse Zielgruppen zu bringen, ohne Autorennamen zu sehr „auszuwalzen“. Also sich das bitte nicht zu romantisch vorstellen …
Liebe Brigitte, ich bedanke mich sehr herzlich für deine Zeit und wünsche dir – auch im Namen meiner Blogleser – alles Gute für weitere Projekte!

Die Bücher aus der Verlosung gehen an
Tanja Griesenauer
Andrea Hausmann
Herzlichen Glückwunsch!
Die Interviewfragen stammen aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”
© Ricarda Ohligschläger
© Autorenfoto: Schelke Umbach
 

Interviews mit Autoren

Interview mit Kerstin Hohlfeld

Frau Hohlfeld, der Weg über die Theologie zur Autorin ist ja ein weiter. Haben Sie diese Erfahrung auch in einem ihrer Bücher verarbeitet oder haben Sie dies außen vor gelassen?
Grundsätzlich verarbeite ich vieles von dem, was ich im Lauf der Jahre beobachtet, gehört, gesehen und erfahren habe. Die Zeit meines Theologiestudiums war ein sehr intensiver und wertvoller Abschnitt in meinem Leben. Für mich als DDR-Bürgerin bedeuteten die Hinwendung zur Kirche und das Studium an einer kleinen kirchlichen Hochschule einen unglaublichen Gewinn an persönlicher Freiheit. Ich habe schon immer versucht, ohne Mauer zu leben. Auch wenn es damals noch nicht räumlich möglich war, so doch immerhin im Kopf.
Manchmal lässt sich eine äußere Situation gar nicht oder nur schwer ändern, aber wie wir damit umgehen, darüber denken, das entscheiden wir alleine. Diese Freiheit kann uns niemand nehmen. Man muss sich trauen, frei und in jede Richtung zu denken. Dann kann man sich selbst und die Dinge verändern. Der persönliche Lebensweg ist eine sehr individuelle Mischung aus Idealen, Zielen, Träumen und Wünschen. Und ein paar Stolpersteinen. 😉
Die Frauen in meinen Romanen sind fast alle Freigeister, auf der Suche nach ihrem ganz ureigenen Weg, von daher ist der Schritt von meinem Entschluss damals in der DDR Theologie zu studieren zum Inhalt meiner Bücher letztlich doch nicht so weit. Abgesehen davon hatte ich schon immer viel Phantasie, was, glaube ich, meinen Dozenten im Studium nicht unbedingt immer Freude bereitet hat. 🙂
Wie kamen Sie auf den Titel Ihres neuen Buches „Wenn das Glück anklopft„? Hat es damit zu tun, dass sie Theologie studiert haben und möchten somit den Lesern eine Art Lebensglück vermitteln, indem Sie in Ihrem Buch die schönen Seiten des Lebens näherbringen?
Der Titel eines Romans ist oft ein Produkt von mehreren Beteiligten. „Wenn das Glück anklopft“ trug den Arbeitstitel „Ein Hexenschuss kommt selten allein“. Als es dann um die endgültige Titelfindung ging, da haben sich im Verlag Lektoren und Marketingfachleute zusammen gesetzt und gemeinsam überlegt, welcher Titel am besten zum Buch passt. Ich bin mit dem Titel wirklich happy, denn er erweckt so schöne Assoziationen.
Was bedeutet Glück für Sie persönlich bzw. was war der glücklichste Moment in Ihrem Leben?
Ich habe bei Lovelybooks mal eine kleine Umfrage gestartet zum Thema Glück und wollte gern wissen, was Glück für die Leserinnen bedeutet. Die Antworten gaben im Großen und Ganzen zu erkennen, dass Glück sich selten an großen und einzigartigen Momenten festmacht, sondern oft still und leise, manchmal fast alltäglich daherkommt und begleitet ist von einem Gefühl der Geborgenheit, der Dazugehörigkeit, des Teilens. Familie, Freunde, Gesundheit, ein guter Job und nette Kollegen. Geld, Besitz und Statussymbole spielten eigentlich keine Rolle.
Dem Ergebnis meiner kleinen Umfrage kann ich mich voll und ganz anschließen.
Meine glücklichsten Momente sind die, wenn ich durch Zähigkeit, Ehrgeiz und Ausdauer meinen mir selbst gesteckten Ziele erreiche. Die Zusage zum Studium war ein solcher Moment, der erste und alle weiteren Buchverträge gehören natürlich auch dazu. Das Wörtchen „Ende“ unter einem Manuskript … jedes Mal ein Glücksmoment.
Und natürlich bin ich glücklich, dass ich Teil eines wunderbaren, lauten, bunt gewürfelten, liebenswerten Familien- und Freundeskreises bin.
Mich würde interessieren, wie Sie es schaffen so schnell so viele gute Bücher zu schreiben? Wie viele Seiten schreiben sie durchschnittlich am Tag?
Erst einmal danke für das Kompliment! 🙂 In den letzten fünf Jahren habe ich quasi alle Energie daran gesetzt, um als Autorin Fuß zu fassen. Ich habe in jeder freien Minute geschrieben und versucht, meine Bücher bekannt zu machen. Das war ein ziemlicher Kraftakt und nur möglich, weil meine Familie mich so toll unterstützt.
Ich versuche, vier bis fünf Mal in der Woche jeweils sechs bis zehn Seiten zu schreiben. Das klappt allerdings nicht immer.
Gab es schon einmal den Fall, dass Sie nach Veröffentlichung eines Ihrer Bücher plötzlich eine Idee hatten und in dem Moment die Geschichte anders geworden wäre? Oder sind Sie bisher immer zufrieden geblieben so wie das Buch geworden ist?
Na ja, im Grunde bin ich schon zufrieden. Dennoch versuche ich stets, mich weiterzuentwickeln, besser zu werden, noch mehr Leserinnen zu überzeugen. Und natürlich nehme ich mir Kritik auch zu Herzen.
Beispiel: Im Fall von „Ich heirate einen Arsch“ kritisieren etliche Leserinnen das Ende, einige sind sogar richtig schwer enttäuscht.
Als ich den Schluss so geschrieben habe, wie er ist, war ich selbst von Herzen überzeugt davon, auch wenn ich wusste, dass das Ende nicht unbedingt genretypisch und somit ein Wagnis ist. Jedoch war ich sicher, dass die Leserinnen das sicherlich nachvollziehbar finden und damit einverstanden sind. Doch unterdessen muss ich einsehen, dass ich mich getäuscht habe. Etliche Leserinnen haben mir gesagt, dass sie mit der Entscheidung meiner Protagonistin Luisa nicht mitgehen können. Da bin ich wohl zu sehr von mir selbst und meiner Sicht auf die Beziehung der beiden ausgegangen.
„Ich heirate einen Arsch“ wird aus zweierlei Perspektiven erzählt. Aus einem männlichen und aus dem weiblichen. Dazu haben Sie dieses Buch zusammen mit Leif Lasse Andersson geschrieben. Wie lief die Zusammenarbeit, wie wurde das Buch geplant und von wem kam die Idee?
Die Idee stammt von Leif Lasse und ich hab ihm, als ich davon erfuhr, gesagt: Ähm … du Leif Lasse, kannst du das bitte gefälligst mit mir schreiben? Ich finde die Idee nämlich genial.
Da hatte ich ein Glück, dass er einverstanden war. Dann haben wir uns voller Eifer ins Projekt gestürzt. Die Zusammenarbeit vergleiche ich gern mit einer Achterbahnfahrt – von wohligem Bauchkribbeln, bis wildem Geschrei, über den Wunsch auszusteigen, bis hin zu großer Freude darüber, diesen genialen Kerl und Kollegen getroffen zu haben, war so ziemlich alles an Emotionen dabei. Jedenfalls von meiner Seite her. 🙂
Einen Roman miteinander zu schreiben, ist zeitweise nicht so einfach. Zumal man als Autor ja in der Regel ein Einzelkämpfer ist.
Neben all den tobenden Emotionen haben wir dennoch ausgesprochen diszipliniert gearbeitet -geschrieben, diskutiert, gekürzt, geändert und uns miteinander über unsere Protagonisten ausgetauscht.
In dem Buch herrscht teilweise ein sehr direkter Ton – der mir sehr gut gefallen hat. Sind Sie im wahren Leben auch eher direkt?
Gute Frage! Ich denke schon. Ich versuche es jedenfalls, weil ich der Meinung bin, dass Drumherumreden, Hinter dem Rücken-Tuscheln, Unehrlichkeit und Verdrängung nicht weiter bringen. Allerdings gibt es auch ein Zuviel an Direktheit. Natürlich ist es schlauer, seinem Chef nicht in vollem Umfang zu sagen, was man von ihm hält. Wie fast immer im Leben gilt es die Mitte zu treffen, was ganz schön schwer ist.
Leif Lasses Ton im Roman gefällt mir jedenfalls sehr. Man weiß als Leserin immer sehr genau, was er denkt, auch wenn es nicht gerade korrekt ist. Aber genau das macht die Figur Björn so herrlich frisch und authentisch. Schön wär es, wenn wir im echten Leben auch so gut in den Kopf der Männer gucken könnten. Na ja … oder vielleicht besser doch nicht. 🙂
Wird es eine Fortsetzung der Geschichte geben?
Die ist derzeit nicht geplant, aber wenn, sagen wir mal, eine Millionen Bücher verkauft werden und etwa die Hälfte der Leserinnen an Knaur schreibt und eine Fortsetzung verlangt, dann sollte da was möglich sein.
Nein, Spaß beiseite. Die Geschichte von Björn und Luisa ließe sich wunderbar weitererzählen. Und da man ja nie „nie“ sagen soll, mache ich das auch nicht.
Was planen Sie für 2015? Auf welche Veröffentlichungen dürfen sich Ihre Leser/innen freuen?
Im März 15 erscheint mit „Kirschblütenfrühling“ der vierte und letzte Band meiner Rosa-Redlich-Geschichten im Gmeiner –Verlag. Darauf freue ich mich sehr, denn die quirlige Berliner Schneiderin hat eine kleine Fangemeinde, die dem Erscheinen des letzten Teils schon entgegenfiebert. Auf die Reaktionen und den Austausch mit den Rosa-Fans freue ich mich riesig.
Im September dieses Jahres erscheint mein zweites Buch bei Ullstein und auch darauf freue ich mich sehr. Mit „Morgen ist ein neues Leben“ habe ich mich auf ein neues Terrain gewagt – den großen Familien- und Schicksalsroman. Ein Genre, das ich selbst sehr gern lese und nun auch schreibe – gleichermaßen eine Herausforderung wie eine Freude.
Und auf was freuen Sie sich am meisten?
Ich freue mich über jeden Tag, an dem ich schaffe, was ich mir vorgenommen habe. An dem ich kreativ, gesund, geborgen und zufrieden bin. Und wenn das mal nicht klappt, dann bin ich dankbar über eine Prise Gelassenheit und das Vertrauen darauf, dass es schon irgendwie weitergeht.
Denn morgen ist ja auch noch ein Tag!
Das ist ein wunderschöner Schlusssatz und ich bedanke mich ganz herzlich – auch im Namen meiner Blogleser/innen – für dieses interessante und vielfältige Interview!
Die Bücher aus der Verlosung gehen an
Anja Schmidt
Melanie Bublies
Rebecca Kiwitz
Herzlichen Glückwunsch!
Die Interviewfragen stammen aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”
© Autorenfoto: https://www.rossigraphie.de
© Ricarda Ohligschläger

Interviews mit Autoren

Interview mit Nancy Salchow

Liebe Nancy Salchow, Sie schreiben auf Ihrer Homepage, dass „Kirschblütentage“ ein absolutes Herzensprojekt von Ihnen war. Können Sie dazu etwas mehr erzählen?
Herzensprojekt in erster Linie vor allem deshalb, weil es mein Knaur-Taschenbuchdebüt ist und ich lange davon geträumt habe, bei einem renommierten Verlag zu veröffentlichen – eben ganz speziell auch im Print. Knaur war schon lange mein Wunschverlag, da ich dort auch im eBook-Bereich begonnen habe – und ebendieser Wunsch hat sich nun erfüllt. Ich verarbeite in diesem Buch aber auch eigene persönliche Erlebnisse, die meine Familie und ich zwischen 2010 und 2012 durchgemacht haben. Diese Erlebnisse haben mich zu der Frage gebracht: Wie wichtig ist der Zusammenhalt in einer Familie? Und kann er unter Umständen für manche Menschen sogar über den Tod hinausgehen? Dieser Frage wollte ich hier auf den Grund gehen.
Wie kommt es, dass sie erst 2011 mit ihrem Talent grandiose Texte zu verfassen und Bücher zu schreiben an die Öffentlichkeit gegangen sind?
Grandiose Texte? Vielen Dank für das nette Kompliment. 🙂 Im Sommer 2010 erkrankte mein Zwillingsbruder an einem unheilbaren Hirntumor. Die Diagnose war damals ein Schock für mich und neben den Besuchen im Krankenhaus wurde es wichtiger als je zuvor, sich abzulenken. Den Traum vom Schreiben und Veröffentlichen gab es schon immer, aber mir hatte bis zu dem Zeitpunkt immer die Ausdauer gefehlt, Projekte zu Ende zu bringen. Die Suche nach Ablenkung brachte mich damals dazu, das Schreiben endlich intensiver zu verfolgen. Sozusagen war das Schreiben meine allerwichtigste Therapie und Ablenkung. Und ich bin bis heute sehr froh, dass ich diese Therapie habe, da sie mir natürlich auch sehr viel Freude bringt.
Wie war der Moment als der Verlag Ihnen vorgeschlagen hat, das Buch auch als Printausgabe herauszubringen?
Der Moment, als das Thema Print zum ersten Mal auf den Tisch kam, war einer, den ich nie vergessen werde. Es war auf der Frankfurter Buchmesse 2012, genau genommen am 11. Oktober. Ich unterhielt mich gerade mit meiner eBook-Lektorin Eliane, die mich plötzlich ganz nebenbei fragte, welches meiner eBooks wir denn für den Print einplanen wollen. Diese Frage stellte sie so beiläufig, dass ich noch heute darüber lachen muss. Ich war natürlich völlig aus dem Häuschen, zumal ich immer bei Knaur veröffentlichen wollte und eigentlich keine andere Option in Betracht ziehen wollte. Aber dieses Gespräch war erst der Anfang. Es folgten viele Konversationen mit dem Print-Lektorat und die Frage, welches Manuskript es letztendlich werden sollte. Die Entscheidung fiel schließlich auf ein bisher unveröffentliches Skript, eine Idee, die erst noch umgesetzt werden musste, damals noch mit dem Arbeitstitel „Emilias Spuren“. Dass das Buch sowohl vorab als eBook als auch wenig später als Taschenbuch erscheinen sollte, stand aber relativ schnell fest.
Das Cover zeigt eine wundervolle Küche, die ich mit einem Landhaus in Verbindung bringe. Wie sieht Ihre Traumküche aus? Kommt sie dem Coverbild nahe oder sind Sie ein ganz anderer „Küchentyp“?
Was für eine interessante Frage! Ich selbst liebe den Landhausstil ebenfalls sehr, besonders die heimelige Atmosphäre, die er ausstrahlt. Ich glaube schon, dass ich sehr gern in so einer Küche kochen würde – ob mir das Essen gelingt, ist natürlich eine andere Frage. 😉
Haben Sie aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen einen guten Tipp, wie man einem Burnout oder einer Depression am besten vorbeugen kann oder wie man damit umgeht, oder denken Sie, dass das individuell viel zu verschieden ist?
Ich kann natürlich nur von meinen eigenen Erfahrungen ausgehen. Davon ausgehend würde ich jedem Menschen raten, in erster Linie auf sich selbst zu achten. Das soll kein Rat zu grenzenlosem Egoismus sein, trotzdem halte ich das eigene Glück überaus wichtig, um überhaupt andere Menschen glücklich machen zu können. Wenn man sich zu sehr um andere sorgt und die eigenen Bedürfnisse ständig zurückstellt, kann das auf Dauer krankmachen. Auch die Frage, was andere denken könnten, ist eine, die wir ganz ganz ganz dringend verlernen sollten, und auch ich habe es noch nicht komplett geschafft. WENN ich es geschafft habe, bin ich meinem Ziel glaube ich einen großen Schritt näher. Wir machen uns einfach viel zu viele Gedanken darüber, was andere von uns erwarten oder was die „Norm“ ist, dabei gibt es einen ganz wichtigen Grund, warum wir sind, wie wir sind: eben WEIL wir nicht zwingend der Norm entsprechen. Warum sollten wir also tun, was ebendiese von uns verlangt?
Gibt es noch weitere besondere Buchprojekte, die Ihnen  auf den Nägeln brennen und möchten Sie dazu etwas verraten?
Ich habe derzeit einige Projekte auf dem Laptop, aber keines steht kurz vor der Vollendung, daher ist noch nicht sicher, welches wirklich demnächst folgt. So ein Schwebezustand zwischen Schreibkrise und Herbstblues, der hoffentlich nicht allzu lange anhalten wird. Ein anderes größeres Projekt ist derzeit noch nicht spruchreif, aber definitiv in der Planung. Das Erscheinen wird allerdings noch eine ganze Weile auf sich warten lassen. Das Ergebnis wird aber hoffentlich umso schöner sein. 🙂
Haben Sie schon mal daran gedacht Ihre „frühen Werke“ zu veröffentlichen?
Diesen Schritt habe ich kürzlich mit „Liebe schreibt sich mit L“ gewagt. Die Art, wie ich dort schreibe, hat nicht mehr allzu viel mit meinem heutigen Stil gemeinsam – dieser Meinung bin zumindest ich. Allerdings wollte ich meine Leser gerne auch an dieser Entwicklung teilhaben lassen, die eben auch eine sehr wichtige Stufe meines Werdegangs darstellt.
Sie haben Leseproben Ihrer Manuskripte bei NEOBOOKS veröffentlicht. Würden Sie diese Autorenplattform als Sprungbrett für Jungautoren weiterempfehlen und welche Ratschläge möchten Sie diesen mit auf den Weg geben?
Ich würde diesen Schritt jederzeit wieder gehen, da ich es als ganz tolle Möglichkeit betrachte, Leser zu finden und ihre Meinungen kennenzulernen. Mir hat diese Erfahrung sehr geholfen. Mein Rat an andere Jungautoren? Alles erhoffen, aber nichts erwarten. Das sagt so wenig und doch alles. Ich habe mir immer die höchsten Ziele gesetzt, gleichzeitig aber auch kaum gewagt, an einen Erfolg zu glauben.
Worin liegt für Sie der Unterschied zwischen dem Schreiben einer Geschichte und dem Schreiben eines Songtextes?
Die Botschaft in einem Songtext lässt sich meiner Meinung nach oftmals leichter greifen – auch wenn sich die Suche danach manchmal etwas verzwickt gestaltet, wenn man den Text nicht selbst geschrieben hat. Allerdings habe ich schon lange nicht mehr getextet und frage mich, ob ich es in absehbarer Zeit wieder tun werde. Die Arbeit an einem Buch verlangt mir einfach viel mehr ab, ist eben ein richtiges Projekt, wie ein langer bunter Film, während ein Text eher wie ein Trailer ist.
In welcher Weise beeinflussen sich die Arbeiten als Sängerin und Songtexterin und als Autorin und welcher Bereich ist der, auf den Sie auf keinen Fall verzichten möchten, wenn Sie es aus welchen Gründen auch immer einmal müssten?
Das Schreiben an Büchern hat einen zu hohen Stellenwert in meinem Leben eingenommen, als dass ich darauf verzichten wollen würde. Ich habe zwar schon Schreibkrisen durchgemacht, auch noch vor gar nicht allzu langer Zeit, allerdings hoffe ich sehr, dass es immer ein Teil meines Lebens sein wird. Der Einfluss meiner Songtexterei ist mittlerweile sehr gering geworden, während ich früher noch Passagen aus ebendiesen Texten in meine Bücher einfließen ließ. Vielleicht gehört das alles zur Entwicklung dazu, dass ich mich von dieser Art zu schreiben, löse.
Was ist für Sie als Mensch befriedigender? Ein abgeschlossenes Manuskript oder ein  Auftritt als Sängerin?
Definitiv ersteres, da mir in Punkt zwei auch die Erfahrungen fehlen. Die Schritte als Sängerin waren zu zaghaft, um sie mit meinen Veröffentlichungen zu vergleichen.
Liebe Nancy, was tun Sie um sich zu inspirieren?
Eigentlich einfach nur „leben“ – es klingt simpel, aber so ist es. 🙂 Das ganze Leben inspiriert mich, ich gehe so gut wie nie auf die Suche nach Ideen, irgendwie finden sie immer mich. Früher habe ich manchmal Fernsehzeitungen durchstöbert, um mich über Irrwege zu neuen Ideen inspirieren zu lassen, aber das habe ich schon länger nicht gemacht. Irgendwie hat sich seitdem alles immer von allein gefunden – und oftmals zu den ungünstigsten Zeitpunkten. 😉
Haben Sie am Anfang einer Geschichte bereits eine konkrete Idee, wie das Ende aussehen wird?
Manchmal schon, aber meistens lasse ich meine Titelhelden gern selbst entscheiden, was passiert und in welche Richtung sie sich bewegen. So schreibt es sich einfach am schönsten.
Wie gehen Sie mit Kritik aus dem Lektorat um?
Diese anzunehmen fällt mir erstaunlich leicht, weil ich gerade bei einem großen Verlag mit Erfahrung darauf vertraue, einen kompetenten Partner an meiner Seite zu haben. Vielleicht hatte ich bisher aber auch einfach nur großes Glück, da mir kein Vorschlag aus der Redaktion jemals ernsthafte Bauchschmerzen bereitet hat.
Liebe Nancy, vielen Dank für dieses sehr persönliche Interview!
Die Bücher aus der Verlosung gehen an
Heike Päfgen
Iris Herz
Claudia L.
Melanie Truhoel
Herzlichen Glückwunsch!
Die Interviewfragen stammen aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”
Autorenfoto © privat
© Ricarda Ohligschläger

Interviews mit Autoren

Interview mit Anna Herzig

Frau Herzig, wie kam ihnen die Idee ein Buch zu schreiben bei dem Sie die Hauptprotagonistin mehr oder weniger auf ihr Leben zurückblicken lassen und es auch Revue passieren lassen und sich so über ihre damalig getroffenen Entscheidungen auseinanderzusetzen?
Da müssen wir weit zurückgehen. Ich war siebzehn Jahre alt, und habe beschlossen, nachdem ich meinen ersten Kriminalroman (Der Tod kann warten, Gryphon Verlag, 2005) veröffentlicht hatte, und für „Zeit für die Liebe“ keinen Verlag gefunden hatte, und mir eine Absage nach der anderen (Die Absagen kommen seit Jahren immer noch, bis heute) eingefangen hatte, dass ich etwas schreiben möchte, dass bewegt. Und dann begannen die Figuren sich langsam vor meinem geistigen Auge zu formen und klarer zu werden. Tatsächlich hat es sechs bis acht Jahre gedauert, bis „Zeit für die Liebe“ veröffentlicht wurde. Ein wichtiger Punkt war auch, dass ich mir und den Figuren Zeit geben wollte, zu wachsen. Und so wurde aus
„Ich liebe nicht gerne“
„Liebesgeflüster“ danach
„Der Eine“ und schließlich „Zeit für die Liebe“.
Die Geschichte war am Anfang gar nicht so geplant, aber dann begannen die Figuren ein Eigenleben zu entwickeln, und haben mich geführt. Nicht umgekehrt. Beängstigend und spannend zugleich. Und natürlich war der Ursprung eine unglückliche Liebe. Die ursprüngliche Widmung in „Zeit für die Liebe“ war:
Ich wollte dich so sehr, dachte ich. Und dann dachte ich weiter.
Das beschreibt es am besten, denke ich.
Daran halte ich mich übrigens bis heute. Menschen nachhaltig bewegen und zum Nachdenken anregen zu wollen.
Warum haben Sie ihre Hauptfigur an einer unglücklichen Ehe festhalten lassen, obwohl Sie später daran regelrecht zerbricht?
Ich habe auf einem harten und beschwerlichen Weg lernen müssen, wie wichtig es ist, zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben ehrlich zu sich selbst sein zu müssen und egal wer kommt und geht in deinem Leben, dass du die Person bist, der du jeden Morgen in den Spiegel entgegensehen musst. Und wem möchte ich dabei in die Augen schauen? Das Leben ist weder einfach, noch lustig und Entscheidungen die gravierend sind, werden einem nie abgenommen. Deshalb sollten Entscheidungen wirklich gut überlegt sein.
In ihrem Buch ist Sophie anfangs ihrer Ehe in dem Glauben, dass Liebe in einer Ehe wachsen kann und obwohl sie ihren Verlobten nicht liebt heiratet sie ihn. Nehmen wir an ihre beste Freundin würde heiraten wollen, obwohl sie ihren Zukünftigen nicht liebt. Was würden Sie ihr raten?
Hoppla, ich bin der Meinung, da sollte man mit diesem Thema ganz vorsichtig sein.
Es ist sehr leicht, mit Ratschlägen um sich zu werfen, wenn man nicht in der Haut der Person steckt, die es betrifft. Vielleicht würde ich sagen, so ganz vorsichtig „Denk darüber nach, ob es das ist, was du willst. Stell dir vor, dass du in den nächsten (so Gott will) dreißig Jahren immer noch mit diesem Menschen zusammen sein wirst, nicht nur in der spannenden Hochzeitsnacht, nach dem Auspacken der Geschenke, dem erstem Kind, dem Alltag, der sich ganz sicher einschleichen wird und kannst du als Person diese Zeit überdauern ohne etwas von deiner Persönlichkeit, deinen Träumen oder Wünschen einbüßen zu müssen?“ Ganz wichtig sollte es auch sein, zu bekräftigen, dass man immer hinter der Person steht, egal welche Entscheidung getroffen wird.
Sie sprechen öfter „die eine große Liebe“ an. Sind Sie der Meinung, dass es wirklich nur eine große Liebe im Leben gibt?
Das ist Auslegungssache. Ich bin jemand, der nicht an Zufälle glaubt sondern viel mehr an Schicksal. Dass es eine Macht gibt, die einem hin und wieder einen sanften Klaps auf den Po gibt, um dort hin zukommen, was vorgesehen ist. Ich finde diesen Gedanken sehr schön.
„Zeit für die Liebe“ sollte man sich auch im Alltag nehmen. Wie würde ihre persönliche „Zeit für die Liebe“ aussehen?
Gute Frage. Ich denke, dass es wichtig ist, mit sich selbst im Reinen zu sein um die Gesellschaft eines anderen vollständig genießen zu können. Ich bin da etwas seltsam und suche mir sehr gezielt aus, mit wem ich meine Zeit verbringe und habe mittlerweile keine Skrupel mehr, ganz kalt zu reagieren, wenn versucht wird, mir Gesellschaft die ich nicht schätze, aufzuzwingen. Das ist ein Schaden von der Schulzeit (katholische Privatschule am Land) und schon damals habe ich mit meinem kleinen Verstand nicht kapiert, warum man seine Zeit mit fremden Menschen oder Menschen die man nicht mag, verbringen muss. Ich war immer sehr verschlossen und habe gelernt, vertrauen zu dürfen, ohne dass etwas Schlechtes passieren muss.
Also Zeit für die Liebe ist für mich Quality Time mit dem Menschen, der mich seit vielen Jahren kennt, und mich trotzdem jeden Tag Morgen ansieht, als wäre ich die funkelnde Offenbarung des Universums.
Welches Buch, außer ihren eigenen, finden Sie so genial, dass sie gerne die Autorin des Buches gewesen wären?
Ach, ich finde meine Bücher nicht genial, es ist mehr so, dass ich mir gerne selbst wortwörtlich auf die Schulter klopfe, wenn ich denke, dass mir ein Kapitel bzw. ein Absatz gut gelungen ist, ansonsten bin ich von Unsicherheiten komplett zerfressen. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen.
Bewundernswert finde ich den Liebesroman „Gut gegen Nordwind“ von meinem österreichischen Kollegen, Daniel Glattauer. Ich habe ihn mal persönlich kennengelernt, er ist ein sehr lieber Mensch.
Haben Sie ein absolutes Lieblingsbuch, Frau Herzig?
Da gibt es drei. Und alle sind unverdrängbar auf Platz 1. „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel Garcia Marquez. „Kafka am Strand“ von Haruki Murakami und „Wandlungen einer Ehe“ von Sándor Márai.
Jedes von diesen Büchern lese ich einmal pro Jahr.
Welches war in Ihren Kindertagen Ihr persönlicher Buchheld und weshalb?
Etwas morbid, aber ganz klar Stephen King. Als ich jünger war, so ca. zehn Jahre alt, hatten wir eine kleine, aber feine Bücherei um s Eck und habe mich da mit allen möglichen Stephen King Büchern eingedeckt und regelrecht verschlungen. Dieser Kindheitszauber fehlt mir. Jetzt lese ich irgendwie nüchterner, aber das liegt am Erwachsenwerden und dem sich mit Dingen feiner auseinandersetzen.
Eine Unart bzw. ein Tick, den ich mir beibehalten habe, ist während dem Lesen an den Seiten von den Büchern zu schnuppern. Für mich hat das etwas Beruhigendes. Und wahrscheinlich für die Menschen, die mich an Buchseiten schnuppernd in der Ubahn oder im Bus sehen, etwas unheimliches : ) .
Könnten Sie sich vorstellen  mit einem vollkommen anderen Genre  Neuland zu betreten, z.B. als Autorin historischer Romane oder als Kinderbuchautorin?
Nein, leider eher nicht. Ich liebäugle zwar schon seit einigen Jahren mit einer Idee für einen Fantasy Roman, habe mir jedoch noch nie wirklich die Zeit genommen, dieser Idee einen festen Boden zu geben. Historische Romane sind nicht so sehr meins. Ich habe leider einen Hang dazu, mich zu zerreißen und viele Dinge gleichzeitig machen zu wollen und muss mich somit zügeln, ein Projekt nach dem anderen abzuarbeiten.
Woran arbeiten Sie derzeit? Sind bereits weitere literarische Projekte geplant?
Derzeit arbeite ich an einer Trilogie, die sich „Anatomie einer Liebe“ nennt. Es geht um einen Mann und eine Frau. Die leiden. Aber nicht gemeinsam. Es ist nicht so, dass diese zwei Menschen in konstant direktem Kontakt zueinander stehen, sondern vielmehr so, dass die Leser durch deren Tagebücher in die Leben der Protagonisten eintauchen können. Diese Trilogie wird vorerst für die nächsten Jahre die letzte romantische Erzählung bleiben, da ich mich auf andere Geschichten konzentrieren will, die ich erzählen möchte.
Leseproben gibt es auf meinem Blog und auf meiner Facebook Seite.
https://missnovelist2009.over-blog.net/
https://de-de.facebook.com/pages/Anna-Herzig/659169197503093
Liebe Anna, vielen Dank für dieses sehr offene und persönliche Interview!
Die Bücher aus der Verlosung gehen an
Anastasia T.
Heidrun B.
Rebecca Kiwitz
Herzlichen Glückwunsch!
Die Interviewfragen stammen aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”
Autorenfoto © Lukas Beck
© Ricarda Ohligschläger