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4 Punkte

Rezensionen/ Rezensionen Krimis/Thriller

Andrea Sawatzki – Ein allzu braves Mädchen

Eine junge Frau wird völlig verstört in einem Waldstück aufgefunden. Niemand kann sagen wer sie ist und sie selbst kann das am allerwenigsten. Sie trägt nichts bei sich was auf ihre Identität schließen könnte und so wird sie kurzerhand in die Psychiatrie überführt.
Parallel geht bei der Polizei ein Anruf ein. Ein Nachbar beschwert sich, dass die Hunde im Garten nebenan seit Tagen bellten. Doch im Haus schien niemand zu sein, der ihnen öffnen würde und so mache man sich Sorgen um den alleinstehenden Herrn, dem Besitzer der Hunde.
Wenig später findet man die seltsam verrenkte Leiche des alten Mannes.
Dr. Minkowa nimmt sich indessen der jungen Frau an. Die Psychiaterin kann ihr Vertrauen gewinnen und erfährt in vielen Sitzungen mehr
über sie. Und was sie erfährt ist ungeheuerlich!
Zitat:
“Sie hat mich nie gefragt, wie die Nächte mit meinem Vater waren. Was wirklich passiert ist.”
Seite 69
Mit nur 12 Jahren war ihrer Patientin die nächtliche Verantwortung für ihren demenzkranken Vater auferlegt worden. Die Mutter, eine
Krankenschwester, musste arbeiten. Was das bedeutete, kann man nur zwischen den Zeilen erahnen.
Diese sind sehr spannend geschrieben und erzeugen eine Mischung aus Mitleid und Entsetzen für das Mädchen hinter der Fassade einer
gutbürgerlichen Familie. Geschickt verbindet Sawatzki Gegenwart und Vergangenheit in erzählerischen Rückblicken und schafft so die Neugier des Lesers immer mehr zu wecken.
Das Ende hat mich vollends überrascht. Dabei war ich doch so überzeugt voraussehen zu können, was wie zusammenhängt.
Bis hierher würde ich dem Buch “Ein allzu braves Mädchen” volle 5 Punkte geben. Doch muss ich auch erwähnen, dass ich das Hardcover mit dem Lesebändchen und gerade einmal 173 zu lesenden Seiten für völlig überteuert halte. Ob das am Namen der Autorin liegt? Etliche Kapitel umfassen gerade mal eineinhalb Seiten und wer mehr als vier Stunden für das Buch (reine Lesezeit!) braucht, liest entweder extrem langsam oder kocht nebenbei ein Menü für mehrere Personen. Ich habe drei Stunden gebraucht.
So muss ich mit viel Augenzwinkern und der Überzeugung, dass ich die Story ansonsten reinen Gewissens wirklich
weiterempfehlen kann, leider insgesamt nur 4 Punkte von 5 geben.
Ich werde Andrea Sawatzki auf jeden Fall als Autorin im Auge behalten!
© Ricarda Ohligschläger

Rezensionen/ Rezensionen Belletristik

Randy Susan Meyers – Das Band der Wünsche

Ein Moment der Leidenschaft, der alles verändert. Ein Schritt voller Zweifel. Eine Lüge, die das Glück zur Illusion macht. Fünf Jahre nachdem Tia von dem verheirateten Nathan schwanger wurde und ihr Kind zur Adoption freigab, führt ein Brief die Schicksale der Menschen zusammen, die ein unsichtbares Band längst untrennbar miteinander verbindet.
Kurz nachdem sich Tia auf eine Affäre mit dem verheirateten Nathan eingelassen hat, wird sie schwanger. Als klar wird, dass sich der Vater nicht um das Kind kümmern wird, trifft Tia die schwerste Entscheidung ihres Lebens und gibt ihre Tochter zur Adoption frei. Fünf Jahre später erfährt Nathans Frau Juliette in einem Brief von der Existenz der kleinen Savannah. Ist ihr Leben mit Nathan eine einzige Lüge? Wird sie ihrem Mann je wieder vertrauen können? Juliette kämpft für ihr Glück und nimmt Kontakt zu den beiden Müttern von Savannah auf: zu Tia, der biologischen Mutter, und zu Caroline, die das Mädchen adoptiert hat. Die Wege dreier ganz unterschiedlicher Frauen kreuzen sich – mit Folgen, die ihr Leben von Grund auf ändern werden …
(Kurzbeschreibung laut amazon)
Tia ist jung als sie sich unsterblich in den verheirateten Nathan verliebt. Ein Jahr voller Leidenschaft wartet auf sie. Doch als sie ihm gesteht schwanger zu sein wandeln sich Nathans heiße Küsse in kalte Abneigung. “Wegmachen lassen” soll Tia das Kind. Aber Tia widerspricht.
5 Jahre später nimmt Tia wieder Kontakt zu Nathan auf und sendet ihm einen Brief mit Fotos der gemeinsamen Tochter. Was sie nicht weiß ist, dass Juliette – Nathans Frau – diesen Brief abfängt. Von nun an beginnt ein hochemotionaler Kampf um Vertrauen, Liebe und letzten Endes um das Mädchen.
Juliette verliert ihr komplettes Vertrauen in ihre Ehe, zweifelt erneut an der Treue ihres Mannes und verliert sich dabei immer mehr.
Tia, stürzt sich trostsuchend in eine Beziehung, trinkt immer mehr und wird schließlich sogar entlassen.
Und Caroline, die Adoptivmutter, muss sich eingestehen, dass sie völlig überfordert ist mit dem Kind und nicht bereit ist Kompromisse einzugehen.
Und doch geben sich alle auf ihre Art gegenseitig Halt durch Honor/Savannah. Das Mädchen verbindet diese drei so unterschiedlichen Frauen.
Die Autorin wechselt die Perspektiven im Roman zwischen Nathan, Caroline, Tia und Juliette und offenbart die Gefühlswelt jeder einzelnen Protagonistin schonungslos und eindringlich.
Trotzdem lässt mich das Buch etwas zwiespältig zurück, da sich die Situation von Caroline für mich nicht gänzlich aufklärt. Ein geplanter Umzug vermittelt zwar die Situation, dass ihr Mann weniger arbeiten möchte um somit mehr für die Familie da zu sein, aber wird sich Caroline kompromissbereiter zeigen?
Die Idee hinter “DAS BAND DER WÜNSCHE” gefällt mir außerordentlich gut, doch ist sie meiner Meinung nach nicht perfekt umgesetzt.

Rezensionen/ Rezensionen Sachbuch

Dr. Josephine Chaos – Dann press doch selber, Frau Dokta!

Ein lustiges Buch über Kreißsaal, Wehenschmerz und PDA?? Ich war ja ein bisschen skeptisch als mir das Buch empfohlen wurde, aber bereits nach wenigen Seiten wusste ich: Das WIRD ein Spaß!
Dr. Josephine Chaos ist das Pseudonym einer Gynäkologin, die mehrmals ungeplant schwanger wurde! Ihre vierte Schwangerschaft erlebt man in “Dann press doch selber, Frau Dokta!” hautnah mit, denn während sie über den alltäglichen Wahnsinn aus einer mittelgroßen Klinik irgendwo in Deutschland berichtet, wird ihr Bauch runder und runder.
Passenderweise sind die Kapitel des Buches somit in Schwangerschaftsmonate eingeteilt und während sich Josephine überlegt wie sie ihrem Chef die nächste Schwangerschaft beichtet, hastet sie eifrig zwischen Assistenzärztin Dr. Bambi, CTG und der Stationsliege hin und her.
Um unerkannt zu bleiben versieht sie alle Kollegen mit passenden Namen. Dr. Bambi (oben bereits erwähnt), Dr. Messer und Schwester Totalausfall und viele andere runden ihren Arbeitsalltag ab, und sorgen so für mehr oder weniger Chaos.
“Dann press doch selber, Frau Dokta!” ist wohl die witzigste Art sich auf die Geburt eines Kindes vorzubereiten. Und wer bereits Kinder hat, wird sich mit Sicherheit in einer der beschriebenen Geburten von Dr. Josephine Chaos wiederfinden.
Und wer nach diesem Buch nicht genug hat von der Entbindungsstation kann unter www.josephinechaos.wordpress.com weiterlesen!
Ächt jetzt!
Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dennoch. Manchmal war mir der Ton schon zu flappsig und es gab auch einige Wortwiederholungen (Ächt jetzt!), die mich letzten Endes nur noch nervten. Und wenn ich die Rezensionen zum Buch anschaue, dann bin ich wohl nicht ganz alleine mit meiner Meinung!
© Ricarda Ohligschläger

Rezensionen/ Rezensionen Krimis/Thriller

Andreas Winkelmann – Höllental

 
Im ersten Schnee des Winters steht eine junge Frau auf einer Eisenbrücke hoch über der Höllentalklamm. Sie ist fest entschlossen, sich in die Tiefe zu stürzen. Roman Jäger, Mitglied der Bergwacht, versucht noch sie aufzuhalten, doch vergeblich. Was ihm bleibt, ist ihr letzter Blick – ein Blick voll entsetzlicher Angst, der ihn bis in seine Träume verfolgt. Er macht sich daran, die Hintergründe dieses Selbstmords herauszufinden. Und stößt auf ein schreckliches Geheimnis, das sein Leben für immer verändern wird … (Kurzbeschreibung der Originalausgabe)
Höllental” heißt der neue Roman von Andreas Winkelmann und verspricht laut Kurzbeschreibung wieder einmal mehr eine rasante und thrillige Story. Ich bin hin- und hergerissen, wie ich das Buch letzten Endes bewerten soll.
Einerseits ist Winkelmanns Schreibstil erneut packend und spannend, aber leider nicht durchweg und andere Bücher des Autors haben mich bei Weitem mehr gefesselt.
Dieses Mal überrascht er zum Finale zusätzlich mit einer unvorhersehbaren Wendung, die zeigt, dass man sehr(!) aufpassen sollte wen man zum Freund hat. DAS widerum ist mir persönlich einen Pluspunkt wert.
Die Charaktere sind vielschichtig und realistisch beschrieben. Verletzlich, brutal, voller Selbstzweifel und hinterlistig – die Abwechslung ist groß. Dadurch lebt nicht nur die Handlung, sondern auch das Kopfkino.
Winkelmann beschreibt die Szene des Selbstmords eindringlich, bedrohlich und voller Dramatik und glänzt später in den brutalen Sequenzen des Thrillers erneut gekonnt durch seine Fähigkeit mir allein beim Lesen seiner Worte Schmerzen zu bereiten.
Schlussendlich vergebe ich vier Punkte, weil es mir ab und an ein bisschen an Spannung fehlte. Trotzdem sollte kein Thrillerfan an “Höllental” vorbeigehen!
© Ricarda Ohligschläger

Rezensionen/ Rezensionen Krimis/Thriller

Laura Wulff – Leiden sollst du

Ein Mörder mit einem perfiden Plan, eine junge Frau auf Abwegen und ein Kommissar im Rollstuhl: der erste Fall für die Zuckers!
War es wirklich ein Unfall? Die 17-jährige Julia, monatelang vermisst, wird plötzlich tot am Kölner Rheinufer angespült. Gerichtszeichnerin Marie Zucker lässt das Ganze keine Ruhe denn ihr Cousin Ben war mit der Toten befreundet, und jetzt scheint ihn ihr Tod kaltzulassen. Marie bittet ihren Mann Daniel um Hilfe, einen Kriminalkommissar, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist. Doch er zögert, wieder in den aktiven Dienst zurückzukehren, und zwingt sie so, zunächst auf eigene Faust ermitteln. Sie findet heraus, dass Ben seit Wochen bedroht und verfolgt wird. Und dann taucht die nächste grausam entstellte Leiche auf. Ist Marie dem Mörder etwa den entscheidenden Schritt zu nahe gekommen?
(Kurzbeschreibung laut www.amazon.de)
Leiden sollst du” ist der Auftakt zu einer neuen Thrillerserie aus dem MIRA – Taschenbuch – Verlag. Hauptfiguren der Serie sind laut Buch “zwei unkonventionelle Ermittler mit Kultpotenzial”. Solche Zeilen machen natürlich immer besonders neugierig und ich war gespannt, ob sie dieser Behauptung auch gerecht werden können.
Marie Zucker ist Gerichtszeichnerin und hauptberufliche Kostümbildnerin am “Musical Dome” in Köln. Ihre zierliche Gestalt lässt sie zerbrechlich erscheinen, doch in ihr steckt eine unermüdliche Kraft und eine große Portion Durchhaltevermögen das seinesgleichen sucht.
Marie Zucker hat eine schreckliche und lieblose Kindheit hinter sich, die immer wieder in kleinen Sequenzen angedeutet wird.
Ihr zur Seite steht – oder sollte ich besser sagen sitzt? – ihr Mann Daniel Zucker, der nach einem Unfall im Klettergarten an den Rollstuhl gefesselt ist. Daniel kämpft zu Beginn noch arg mit sich selbst und hat große Schwierigkeiten sich in seinem Leben als Querschnittsgelähmter zurecht zu finden. Daniel ist Hauptkommissar in Köln und hat seinen Job eigentlich schon an den Nagel gehangen.
Doch dann wird lang vermisste die Freundin von Maries Cousin Ben – Julia – tot am Kölner Rheinufer angespült. Marie bittet Daniel daraufhin um Mithilfe, denn sie glaubt von Anfang an nicht an einen Unfall. Und so nach und nach wird Daniels Ehrgeiz wieder zu neuen Leben erweckt…
Mehr möchte ich jetzt nicht auf die Figuren eingehen. Was ich aber bestätigen kann ist, dass die beiden wirklich(!) unkonventionell sind und sie heben sich in einem ganz besonders von anderen fiktiven Ermittlern ab: sie haben eine intakte Ehe! Ich habe bisher einiges an Thrillern, Krimis etc. gelesen und da sind mir so manche verkorkte Kommissare  unter gekommen. Diese beiden hier (wobei es eigentlich nur ein Kommissar ist) haben zwar aufgrund Daniels Unfalls einige Hürden zu überwinden, finden aber nach und nach wieder die Nähe zueinander.
Natürlich steht das nicht im Vordergrund des Thrillers, sondern es ist geschickt mit in die Handlung eingefädelt, sodass das Hauptthema – die Ermittlungsarbeit – im Vordergrund bleibt.
Und die ist in großen Teilen spannend! Ben hat sich nämlich auf ein makabres Spiel mit dem undurchsichtigen GeoGod eingelassen: mittels Geocaching fordert dieser Ben zu immer neuen Herausforderungen. Der Haken dabei: erfolglose Suchen werden hart bestraft und das bleibt nicht ohne Folgen für Bens Familienmitglieder.
Mit diesem Wissen führt Laura Wulff ihre Leser immer und immer wieder auf eine falsche Fährte und macht die Suche nach GeoGod abwechslungsreich und interessant. Auch der Plot ist gut durchdacht und sehr außergewöhnlich!
Einzig die Auflösung rund um den Tod der jungen Frau, klitzekleine “Spannungsdurchhänger” und ab und an der Schreibstil sind das was ich zu “meckern” hätte.
Trotzdem empfehle ich diesen Thriller aber mit voller Überzeugung an meine Blogleser weiter, denn außer den oben genannten Punkten fehlt diesem Thriller nichts. Außer eventuell einer Fortsetzung und diese folgt in einigen Monaten.
Und darauf bin ich sehr(!) gespannt.
© Ricarda Ohligschläger