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Familiensaga

Rezensionen/ Rezensionen Historische Romane

Daniel Wolf – Im Zeichen des Löwen -Werbung und Gewinnspiel-

Im Zeichen des Löwen von Daniel Wolf ©Goldmann

Daniel Wolf ist das Pseudonym von Christoph Lode. Der 1977 geborene Schriftsteller arbeitete zunächst u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und in einer psychiatrischen Klinik, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit den historischen Romanen »Das Salz der Erde«, »Das Licht der Welt«, »Das Gold des Meeres« und »Die Gabe des Himmels« gelang ihm der Sprung auf die Bestsellerlisten. Der Autor lebt in Speyer. (Quelle: Randomhouse.de)

Dieses Buch habe ich in den letzten Tagen mehrfach auf meinem Instagram-Account (https://www.instagram.com/herzgedankeblog) gelobt und jedes Mal habt ihr sicher gemerkt, dass ich unfassbar begeistert bin von der Geschichte rund um den jungen Jann Osinga, sodass ich heute einmal versuchen möchte all diese Emotionen rund um großartige historische Familiensaga zusammenzufassen.

Friesland, Mitte des 14. Jahrhunderts
Mit einem Todesfall beginnt alles – Der älteste Sohn, der angesehenen Familie Wilken wird ermordet und damit beginnt eine jahrelange Fede zwischen den beiden Familien Wilken und Rycken, die einige Todesopfer und viel Blutvergießen mit sich bringt.
Jann Wilken ist der Bastard von Wilke Tammen, dem Redjeven von Warfstede und gleichzeitig dem Oberhaupt der Schiffsbaufamilie und wird ungeschont in diese Fehde hineingezogen.
Seine niedere Geburt hindert ihn daran eine Schiffbaulehre beim Schiffsbaumeister Folkmar Peters zu beginnen, in dessen Tochter er sich verliebt.
Doch der ehrgeizige junge Mann gibt nicht auf und revolutioniert den Schiffsbau auch ohne eine offiziell anerkannte Ausbildung.
Besonders fasziniert hat mich dabei die Arbeit, die in einem großen Schiff steckt und auch wenn ich mich überhaupt noch nicht bisher mit der Thematik beschäftigt habe, konnte ich allem problemlos folgen. Daniel Wolf hat dem Buch am Ende ein Glossar der friesischen und maritimen Begriffe hinzugefügt, sodass man Begriffe jederzeit nachschlagen konnte.
Hervorzuheben sind in diesem Buch jedoch die Charaktere, die man einfach mögen muss. Es gibt schüchterne, rebellische und vom Leben geplagte. Meine Lieblingsfigur war der „Krüppel“, Abbe Wilken, der trotz seiner körperlichen Leiden ein großes Herz hat und eine treue Seele innerhalb der Familie ist. Trotz seines Schicksal ist er ein Kämpfer und gibt nicht auf. Das spiegelt sich immer wieder, wenn im Buch beschrieben wird, wie er die Treppe zur Halle betritt. Hilfe möchte er partout nicht annehmen.

Ebenso sympathisch fand ich Ippe Tammen, Janns Onkel. Alle seine Charaktereigenschaften sind das komplette Gegenteil seines brutalen Bruders, der manchmal agiert wie ein Hackebeil – wild, ungestüm und unüberlegt.
Diese beiden Figuren sind auch in der Saga wichtige Personen für Jann und stehen ihm immer wieder zur Seite.

Es ist wirklich schwer hier Personen auszulassen. Daher möchte ich Folkmar Peters, den Schiffsbaumeister ebenso nicht unerwähnt lassen. Er ist für Jann ein guter Freund und auf gewisse Weise ein Ersatz für seinen eigenen, grausamen Vater, der ihn immer wieder daran erinnert, dass er eben nur ein Bastard ist. Leider macht genau diese Tatsache die Beziehung zu Folkmars Tochter schwer, da dieser sich als angesehener Meister keinen Bastard als Schwiegersohn für seine Tochter Jorien ins Haus holen möchte. Man legt in dieser Zeit sehr viel Wert auf die Meinung der Leute und auf Ansehen und Macht. Jann belauscht unbeabsichtigt ein Gespräch zwischen Folkmar und dessen Frau, die ihrem Mann diese Tatsache noch einmal mehr vor Augen führt.

In etlichen Rezensionen konnte ich lesen, dass man Schwierigkeiten hatte in die Geschichte zu finden. Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Ich war relativ schnell gebannt von der Familienfehde und von der Szenerie des Nordens. Längen gab es für mich keine und die Schlachten waren absolut nicht zu viel oder überflüssig. Daniel Wolf hat sie so mit einfließen lassen, dass sie zu der Entwicklung der Familien beigetragen haben.
Wie hätte sich beispielsweise Alke Rycken entwickelt, wenn die Schlachten ihr keinen Verlust gebracht hätten?

Daniel Wolf versteht es mit Leichtigkeit durch verschiedene Handlungsstränge Spannung zu erzeugen. So fand ich die Kapitel über die Beginen zu Sankt Katharinen sehr interessant und außerdem erwarten in diesen Episoden den Leser ebenso etliche spannende und vor allen Dingen unerwartete Wendungen.

Ich habe von Daniel Wolf bisher nur „Das Salz der Erde“ gelesen, aber dieses Buch hat mich nicht weniger begeistert. Ganz im Gegenteil. Der Autor hat noch einmal „eine Schippe drauf gelegt“ wie man so schön sagt. Während viele historische Romane in England spielen, bleibt Wolf seiner Heimat treu und hat Bremen, Lübeck und unter anderem Harlingerland perfekt mit eingebunden.
Beeindruckt haben mich auch die historischen Personen, die auf gekonnte Weise eingeflossen sind. Johann Wittenborg, Brun Warendorp und beispielsweise der Erzbischof von Bremen ab 1361. Ich mag es, wenn man auf diese Art und Weise etwas über die Historie einer Region erfährt.

Ich habe dieses Buch wirklich sehr geliebt und freue mich jetzt schon wahnsinnig auf die Fortsetzungen, die hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lassen. Aber ich bin ehrlich und könnte mir diese Saga auch wunderbar als mehrteilige Fernsehreihe vorstellen. Selbstverständlich hat man beim Lesen seine eigenen Szenen vor sich aber dieses Buch verdient meiner Meinung nach einfach ein bisschen mehr Aufmerksamkeit.
Daniel Wolf versteht es grandios seine Leser auf Zeitreise zu schicken – ein perfekter Schmöker für alle Fans von historischen Romanen!
Daher werde ich dieses Buch wie mittlerweile alle Bücher, die ich ausgelesen habe auf die Reise zu einem Leser meines Blogs schicken.
©Ricarda Ohligschläger

Wer Interesse an dem Buch hat, darf mir gerne einen Kommentar hier im Blog hinterlassen. Die Aktion endet am 28.04.2020
Für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanke ich mich herzlich beim Goldmann Verlag.

https://www.instagram.com/herzgedankeblog/

 

 

Rezensionen/ Rezensionen Belletristik

Annette Hennig – Floras Traum von rotem Oleander

Floras Traum vom roten Oleander von Annette Hennig © Tinte und Feder

Es gibt in jeder Menschs Leben solche Zeitgenossen, die mit nichts zufrieden sind, immer nach Höherem streben und sich eher die Zunge abbeißen würden als sich Fehler oder Schwächen einzugestehen. Im wahren Leben nerven mich solche Leute ungemein – im vorliegenden Buch fing ich an die Protagonistin zu hassen!
DAS, liebe Leser, ist aber keinesfalls ein Tadel, denn es ist der Beweis dafür, dass Annette Hennig ein ganz besonderes Talent hat unsympathische Hauptfiguren zu zeichnen.

Flora Hoffmann fühlt sich schon immer als etwas Besseres im Hause ihrer Mutter Elisabeth. Als Älteste von 6 Kindern hat sie es leid den Anordnungen der Eltern zu folgen, deren Armut hinzunehmen und ihre Zukunft stellt sie sich garantiert nicht so vor wie es ihrem Vater vorschwebt: als Ehefrau eines verarmten Arbeiters, die jeden Pfennig dreimal umdrehen muss.
Nein, Flora schwebt Reichtum vor. Am besten in einem großen Haus. Und dieses Haus hat sie mit ihren 19 Jahren bereits ins Auge gefasst: Die Villa der Familie von Langenberg!

Zielstrebig und mit gespielter Freundlichkeit schafft sie es kurze Zeit später dort eine Anstellung zu erhalten und im Nu hat sie nicht nur Diener Gustav, sondern ebenso den jungen Grafen Heinrich um den Finger gewickelt. Nur Gräfin von Langenberg durchschaut das Spiel des Mädchens aus einfachem Hause.
Flora Hoffmann ist wahrhaftig eine der Protagonisten mit denen man eine Art Hassliebe verbindet. Einerseits bewunderte ich ihre Zielstrebigkeit und ihren Mut, andererseits tat sie mir manches Mal schon leid. Denn so verbittert und negativ wie diese junge Frau erscheint blieb mir gar keine andere Wahl.

Meine Empfindungen für sie wurden jedoch auf eine harte Probe gestellt, als ihre Tochter Viola geboren wurde und ich als Mutter so gar nicht nachempfinden konnte, wie man sein eigenes Kind so verachten kann.
Vom Ehrgeiz zerfressen sorgt sie in Kriegszeiten dafür, dass sich der Reichtum der Familie sogar mehrt, doch die Liebe zu ihrem Kind und der Respekt ihres Mannes berührt indessen immer weniger ihr Herz.
Besonders nahe ging mir dabei die Szenerie als ihr Mann Heinrich aus dem Kriege nach Hause kehrte. Ja, in diesem Moment habe ich sie verachtet!

In FLORAS TRAUM VOM ROTEN OLEANDERerzählt Hennig die Geschichte der von Langenbergs auf zwei Zeitebenen. Einmal in den 40iger Jahren und dann in den 90ern. Mittlerweile ist Viola, die Tochter von Flora und Heinrich, eine fast 50jährige Frau auf der Suche nach der Vergangenheit. Kleine Einblicke lassen nur erahnen welches Familiengeheimnis sich da noch lüften wird und es gibt ein Wiedersehen mit liebgewordenen Hauptfiguren. Der Roman ist in sich nicht abgeschlossen, lässt viele Fragen offen und lässt vermuten, dass manche Figur nicht noch ein anderes Gesicht hat. Welche Rolle spielt Heinrich in Violas Leben und wo Lilly? Hat Flora die Wahrheit gesagt und ist sie wirklich so kaltherzig?

Annette Hennig hat mit ihrem packenden Schreibstil ein wahres Lesefieber entfacht

Diese Fragen werden sich hoffentlich in „Leilani – Die Blume des Himmels klären, das ich direkt im Anschluss lesen werde, denn Annette Hennig hat mit ihrem packenden Schreibstil so ein Lesefieber in mir entfacht, dass ich einfach weiterlesen MUSS. Ihre Art Geheimnisse zu verpacken und nur stückchenweise zu lüften, ihre Figuren zu zeichnen und ihnen Charakter einzuhauchen verdient ein riesiges Kompliment. Ich habe wirklich schon sehr, sehr viele Bücher gelesen aber dieses hier ist eine Familiengeschichte, die ihresgleichen sucht.

Ich habe Flora gehasst, bewundert und verflucht, freue mich auf die Fortsetzung und habe Angst sie gehen lassen zu müssen. Genau so stelle ich mir das für eine Familiengeschichte vor! Sie muss mich mitreißen, aufwühlen, glücklich machen und verzweifeln lassen – großes Kompliment an Annette Hennig und klare Leseempfehlung für euch!
©Ricarda Ohligschläger

Rezensionen/ Rezensionen Belletristik

Kathryn Taylor – Daringham Hall – Die Entscheidung

Bevor ich jetzt zur eigentlichen Buchbewertung für dieses Buch komme, möchte ich eine Warnung aussprechen: Kathryn Taylor macht süchtig!!!
Ich habe jetzt ALLE ihre Bücher gelesen und jedes Mal entlässt mich die letzte Seite mit einem „Aaaaaaaaaah, ich muss doch unbediiiiiiiiiingt wissen, wie es weitergeht!“ – Gefühl.
Das war bei Colours of Love so und jetzt ist es WIEDER so. Und eigentlich würde ich jetzt erst einmal zwei, drei Tage brauchen, um den zweiten Teil der englischen Familiensaga Daringham Hall zu „verarbeiten“, aber ich habe gerade etwas viel Zeit zum Lesen und daher bereits ein neues Buch im Anschlag, äääääääääh das gehört hier nicht hin, aber ich bin ein bisschen in Plauderlaune.
Nun aber zu dem was ich eigentlich wollte: Wenn ihr euch dazu entscheiden solltet in diese Familiensaga einzutauchen – und das werdet ihr sicher tun -,  sei vorher erwähnt, dass der dritte Teil erst im Dezember erscheinen wird. Es wird also ein laaaaaaaaaaaaaaanger Herbst ohne Ben, Kate, Peter, Tilly und all die anderen! Aber die Autorin hat mir bereits versprochen, dass es dafür „dramatisch, aber schön“ wird.
Im zweiten Teil der Familiensaga geschieht allerhand Unerwartetes und die Lage auf dem Landsitz der Camdens spitzt sich nach einem tragischen Zwischenfall für alle Beteiligten zu. David verlässt nach einem Streit seine Familie und ein Zufall will es, dass die Aufklärung bezüglich des Überfalls auf Ben Formen annimmt. Ganz aufgeklärt wird die Tat noch nicht.
Ben entscheidet sich vorerst zu bleiben, zweifelt aber immer wieder an seiner Entscheidung. Zwischenzeitlich hat er sogar das Gefühl, dass Kate ihm nicht mehr vertraut. Zwischen den beiden knistert es weiterhin gewaltig. Trotzdem sind sie im Umgang miteinander eher verhalten – zum Glück nicht für lange. Allerdings macht ein Nebenbuhler Kate schöne Augen. Ob sie darauf eingeht verrate ich euch aber nicht.
Ben enttarnt mit Kates Hilfe eine große Intrige gegen seine Mutter und blickt plötzlich etwas klarer, auch wenn die Wahrheit sehr schmerzhaft für ihn ist.
Komplett überraschend und voller Spannung habe ich jedoch die zarten Bande verfolgt, die sich zwischen zwei Menschen entwickeln, die sich eigentlich gar nicht zu mögen scheinen. Diese neue Liebe ist so zart und aufregend, dass ich schon ein bisschen enttäuscht war als ich begriff, dass auf ein Happy End(???) bis zum Drittel Teil warten muss.
Kathryn Taylor haucht  ihren Figuren erneut so viel Wärme und Charakter ein, dass ich diese  wieder einmal mehr nur ungern habe gehen lassen. Selbst die unsympathische Lady Eliza mag ich mir gar nicht mehr wegdenken. Wer denkt, dass diese Familiensaga kitschig oder gar „seichte Unterhaltung“ ist, der irrt. Das – meiner Meinung nach – wunderschöne Cover passt perfekt zur Handlung, könnte aber manche in die Irre führen! Taylor besticht durch einen mitreißenden Schreibstil, vielschichtige Protagonisten und gut konstruierte Wendungen.
Dadurch gelingt ihr gute Unterhaltung von der erste bis zur letzten Seite, die glaubwürdig ist und vor allem die Frage aufwirft: „Wann geht es endlich weiter?“
Eines möchte ich abschließend  anmerken und ich hoffe, dass ich mich jetzt verständlich ausdrücken kann. Die Sprache und der Schreibstil der Autorin wirken an keiner Stelle bemüht oder „konstruiert“. Das ist mir bereits bei „Colours of Love“ sehr positiv aufgefallen und  jetzt bei „Daringham Hall“. Sie sprudelt eher vor Leichtigkeit und Taylor bleibt sich dabei immer treu. Kein Wunder also, dass ich dieses Buch von ihr – ebenso wie alle anderen – verschlungen habe.
Klare Leseempfehlung und ein „Must Have“ für den Lesesommer 2015!!!
© Ricarda Ohligschläger