_MG_9805
Jedes Jahr teile ich für mich in bestimmte Abschnitte ein. Im Geiste sozusagen. Geburtstage. Karneval. Ostern…
Dieses Jahr allerdings ist es irgendwie anders. Es ist schwieriger als sonst, die Wochen und Monate einzuteilen, weil ich ehrlich froh bin um jeden Tag, den ich hinter mich bringen kann. Oder sollte ich lieber sagen: „Jeden Tag, den ich ohne Einbrüche hinter mich bringen kann?“
„Was ist los?“, werden jetzt Einige fragen. Die Frage ist berechtigt doch kann ich sie euch leider selbst nicht beantworten. Ich weiß nicht so recht was mit mir nicht stimmt. Stimmt überhaupt etwas NICHT  mit mir oder ist DAS eigentlich normal?
Ist es normal grundlos weinen zu müssen und dann wieder wochenlang nicht weinen zu können. Sind schlaflosen Nächte normal, die unkontrollierbaren Wutausbrüche, die dunklen Gedanken, die immer häufiger kommen?
Immer schlimmer…
Nein, das ist nicht normal. Es gibt sogar eine Bezeichnung dafür. Einen Stempel sozusagen: Depressionen!
Depressionen lassen dich nicht lächeln, wo du eigentlich lächeln möchtest. Sie lassen dich nicht schlafen, nicht ruhen, nicht frei. Sie sorgen dafür, dass du viel grübelst und in eine tiefe – meist grundlose – Traurigkeit fällst. Sie flüstern dir Dinge ins Ohr, die dir Angst machen…
Depressionen machen aus bunten Tagen mittelgraue und schwarze Tage. So wie Ostern zum Beispiel.
Im Moment macht mir der April furchtbare Angst. Ich versuche jedoch nach vorn zu schauen: neues Badezimmer, Urlaub, Hochzeitstag, Geburtstage, Schützenfest…
Vielleicht ist es gar nicht so schwer das Jahr einzuteilen. Wie immer…
Und vielleicht ist schwarzweiß ja doch eine schöne Farbe. Eine bunte, die sich im Moment noch versteckt.
© Ricarda Ohligschläger

8 thoughts on “Von mittelgrauen und schwarzen Tagen…

  1. Liebe Rici,
    ich kann insbesondere jetzt sehr gut nachempfinden, was du schreibst. Und ständig die Frage: „Wann hört das endlich auf?“
    Ich versuche mich gerade mal wieder an der Von-Tag-zu-Tag-Taktik. Jeden Tag „gut“ überstehen, jeden Tag bewusst etwas kleines für mich tun, jeden Tag überlegen, was gut war.
    Funktioniert nicht immer.
    Und dabei sind die Tage nicht das Schlimmste – die Nächte hauen mich um.
    Ich wünsche dir sehr viel Kraft, Mut und Liebe!

  2. liebe rici,
    auch ich kenne diese tage nur zu gut….leider….aber ich kann dir hoffnung machen…..es kommen auch wieder die bunten tage….und die genießt du dann doppelt so sehr….ich drück dich und wünsche dir, das du schnell wieder aus dem schatten ins licht kommst
    liebe grüße susanne

  3. Es braucht auch mal grau und schwarz, um wieder Farben zu sehen. Allerdings gilt das nur für mich. Ich würde mir nicht anmaßen, Tipps zu geben, wie Du Dich besser fühlen kannst, weil ich nicht weiß, wie es ist in/mit einer Depression zu leben…
    Was ich Dir aber auf jeden Fall mitgeben möchte: Du bist eine tolle Frau mit so vielen tollen Fähigkeiten. Manchmal möchte ich Dich schütteln, wenn Du mir von Deinen Zweifeln an Deinem Können (wie beispielsweise der Fotografie) schreibst. Denn eines ist sicher: Du bist toll und gut – genau so, wie Du bist! <3
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, dass Du das Leben mit Depressionen bald als Vergangenheit betrachten kannst. Drück Dich!

  4. Ich finde, dazu sollte der Rest der Welt dasein – wir. Den tapferen Menschen, die sich mit nicht sichtbaren chronischen Krankheiten – wie Depressionen – aus Grau, Schwarz, Schmerz immer wieder nach oben kämpfen, ab und an mal zur Anerkennung bunte Bänder um die Schultern zu winden. Oder ihnen zumindest die Schultern zu klopfen.
    Alles Gute fuer Dich!
    Herzlich, Charlie

  5. …ich habe mich in deinem Text so sehr wieder erkannt! Ich weiß, was es heißt eine Depression zu haben oder depressiv zu sein. Versuche dich einfach an den Kleinigkeiten zu erfreuen und dir kleine Ziele zu setzen. Einfach im dunkelgrau einen klitzekleinen gelben oder roten Punkt zu setzen. – Und was gaaaaanz wichtig ist, bitte suche dir professionelle Hilfe! (denn so wie ich das lese, dauert es doch schon eine ganze Weile an….)
    auf jeden Fall fühl dich feste umarmt
    (ich stehe dir gerne auch für weitere Tipps zur Verfügung)
    Monika

  6. Liebe Rici, auch ich habe solch eine Phase hinter mir, ja wirklich, auch ich.
    Ich kann dich besser verstehen als du vielleicht glaubst.
    Versuche in Kleinigkeiten Farben zu sehen, in einem Sonnenaufgang, dem Lächeln deiner süßen Tochter, der Umarmung deines Mannes, dem erwachenden Frühling, und, und, und…
    Ich hoffe und drücke dir die Daumen, das du deine Welt der Farben wieder finden wirst. Fühl dich gedrückt!

Comments are closed.