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Wulf Dorn

Rezensionen/ Rezensionen Krimis/Thriller

Wulf Dorn – Dunkler Wahn

Ein Rosenstrauß ohne Absender. Geschenke vor der Haustür. Briefe unter dem Scheibenwischer … Der Psychiater Jan Forstner wird von einer Unbekannten mit Liebesbezeugungen überhäuft. Anfangs glaubt Jan noch an die harmlose Schwärmerei einer ehemaligen Patientin. Doch dann bittet ihn ein Journalist um Mithilfe im Fall einer geistig gestörten Person und wird kurz darauf ermordet. Jan erkennt, dass er ins Visier einer Wahnsinnigen geraten ist. Und seine Verfolgerin schreckt vor nichts zurück. (Kurzbeschreibung laut www.amazon.de)
Dunkler Wahn“ ist der spannende Nachfolger des im Vorjahr erschienenen Buches „Kalte Stille“, welches ich noch nicht kenne und so kann ich restlos überzeugt sagen, dass man „Dunkler Wahn“ auch unabhängig voneinander lesen kann. Kurze Rückblenden klären einiges auf und ich fand mich gut in die Handlung ein.
Wulf Dorns Bücher lassen keinen kalt und so schlug ich mir die Nacht mit diesem packenden Buch um die Ohren. Natürlich im positiven Sinne, denn ich WOLLTE es auch gar nicht aus der Hand legen!
Jan Forstner, die Hauptfigur, wird Opfer einer Stalkingattacke. Der Psychiater gerät dabei immer mehr in einen bedrohlichen Strudel aus Verfolgungswahn und Liebesbeweisen. Rote Rosen, Briefe und Anrufe sind nur die Spitze des Eisberges, denn die Täterin schreckt auch davor nicht zurück eventuelle „Nebenbuhlerinnen“ zu attackieren.
Wulf Dorn führt seine Leser dabei gekonnt auf eine falsche Fährte und überrascht am Ende mit einem grandiosen Ende! Perspektivwechsel sorgen dabei bis zum Schluss für eine ausgefeilte Taktik die Spannung zu halten und dem Leser Gänsehaut zu bereiten.
„Kalte Stille“ ist bereits bestellt und ich freue mich auf weitere packende Lesestunden.
© Ricarda Ohligschläger

Buchmesse in Frankfurt

Frankfurter Buchmesse 2012 (Tag 1 – 11.10.)

Buchmesse Tag 1
Mein Abenteuer „Frankfurter Buchmesse“ begann dieses Jahr ziemlich früh. Um genauer zu sein am Donnerstag um 05:00 Uhr, denn da klingelte mein Wecker. Normalerweise bin ich eher der Typ Morgenmuffel, aber an diesem Tag sprang ich regelrecht aus dem Bett. Eine Dusche und eine halbe Tasse Kaffee brachten mich zusätzlich auf Trab.
Gegen 06:00 Uhr fuhr mein Mann mich nach Köln zum Hauptbahnhof, wo mich als allererstes der wunderschön angestrahlte Dom erwartete. Da wir noch etwas Zeit hatten und es außerdem sehr kalt war, hielten wir uns kurz vor meinem Gleis im unteren Bereich des Bahnhofs auf, wo bereits geschäftiges Treiben herrschte.
Pünktlich um 06:53 Uhr bewegte sich mich mein Zug in Richtung Mainz, wo ich in einen anderen Zug umsteigen musste, der mich dann endlich nach Frankfurt brachte. Mein Sitznachbar war ein freier Lektor, mit dem ich direkt angeregt über die Messe, Verlage etc. erzählte.
Dort erwartete mich meine „Herbergsmutter“ Karin, die mich fortan immer auf den richtigen Weg brachte, was ihr später auch einen Spitznamen einbrachte.
Ich kann den Moment nicht beschreiben, als ich dann in den „heiligen Hallen“ ankam. Da ich im letzten Jahr aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnte, genoss ich dieses Gefühl in vollen Zügen. Klar war ich direkt etwas „erschlagen“ von den vielen Eindrücken und ich nahm die ersten Minuten gar nicht richtig wahr, aber ich wusste HIER gehörst du hin!
Wo ich nicht hingehörte war die Herrentoilette, wohin ich mich fälschlicherweise verirrt hatte, aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht hoch erhobenen Hauptes und mit dem Satz „Sie haben mich einfach nicht gesehen!“ wieder dort hinaus spaziert wäre. 🙂
Halle 3.0 war die erste Anlaufstelle und wir machten unseren ersten kurzen Rundgang, denn bereits um 10:00 Uhr war ich mit Krimiautorin Elke Pistor verabredet. Als sie wenig später kam war ich etwas abgelenkt, denn Elke hatte eine tolle rote Handtasche unter dem Arm. Die wichtigen Fakten unseres Gesprächs habe ich mir trotzdem gemerkt und auch, dass Elke später noch bei Emons am Stand ist. Dummerweise hatte ich zeitgleich einen anderen Termin. (Aber es wird ein Wiedersehen mit Elke geben und zwar in einem ganz besonderen Rahmen. Dazu in 2013 mehr.)
Zur selben Zeit trudelte auch Claudia von „Claudia Bücherregal“ ein und kurz darauf kam vervollständigte Petra Schier unser kleines aber feines Treffen, was wir vorher bei Facebook angekündigt hatten. Es wurden natürlich Fotos gemacht und Claudia hatte ein kleines Büchlein dabei, wo sie sich von den Autoren ein paar liebe Worte hat reinschreiben lassen. Petra musste uns kurz darauf leider verlassen, aber plötzlich kam Alexandra Zylenas dazu. Gemeinsam sahen wir uns die Lesung von Krystyna Kuhn aus „Das Tal“ an.
Im Anschluss an die Lesung hatte ich ein bisschen Luft und zog quer über die Messe. Im Nachhinein war das die „Ruhe vor dem Sturm“, denn im Laufe des Tages traf ich so viele Autorinnen und Buchblogger, dass ich besser eine kleine Meditationspause eingelegt hätte. Es wurde ein großartiger Tag!
Ich hatte ein sehr nettes Gespräch über Bücher, Wohnzimmerlesungen und Autoren mit Constanze Adolph von der Agentur für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit „Buchcontact„, die in Freiburg und Berlin als „Kontaktschmiede“ zwischen Verlagen und Autoren agieren.
Ich traf bei „Lübbe“ auf Eva Völler, Petra Schier und Britta Sabbag, wo wir gemeinsam dem bunten Treiben rund um Sonya Kraus, Bernhard Hoecker, Sky Du Mont und Lothar Matthäus zu sahen.
Danach zog es mich zu „Heyne„, wo ich ein kurzes aber sehr herzliches Treffen mit Sina Beerwald hatte. Auch Claudia war dort wieder vor Ort und ich muss zugeben, dass ich ohne sie Sina nicht gefunden hätte, denn normalerweise habe ich ein wunderbares „Gesichtergedächtnis“, aber bei Sina verließ es mich, was aber (und das betone ich!) nicht an Sina liegt. Claudia stand glücklicherweise bei ihr und füllte damit blitzschnell meine Erinnerungslücke. Auf jeden Fall freue ich mich jetzt noch mehr auf die Leserunde mit Sina und ihrem Buch „Hypnose„.
Wiebke Lorenz kam ebenso dazu und als Claudia mit ihr Fotos machen ging, konnte ich mich quasi revanchieren, denn Claudia ließ ihr Büchlein liegen (ihr erinnert euch?). Ich konnte mich als „Retter in der Not“ erweisen und nahm es mit.
Wer sich das mit den Fotos als trockene Angelegenheit vorstellt irrt! Wir hatten zusammen viel Spaß und es war einmal mehr eine tolle Begegnung mit Wiebke, der ich an dieser Stelle ganz persönlich für ihr grandioses Buch „Alles muss versteckt sein“ danken konnte.
Mittlerweile waren auch Wulf Dorn und Paul Cleave eingetroffen. Ich liebe die Bücher von Wulf Dorn und muss mir für das nächste Jahr (falls er denn dann vor Ort ist) unbedingt mal vornehmen mit ihm ein kurzes Gespräch zu führen. Manchmal schüchtern mich die großartigen Autoren nämlich ein. Aber immerhin habe ich es fertig gebracht ihm für das Foto zu danken, für das er ganz spontan in die Kamera strahlte.
Beim „Diana“ – Verlag war zur selben Zeit Kate Morton zu Gast und ich behaupte jetzt einfach mal, dass sie definitiv auch als Model eine großartige Karriere machen könnte. Sie live zu sehen ist schon ein bisschen „Wow“.
Mittlerweile war Karin wieder an meiner Seite. Sie musste mich kurzzeitig verlassen, da sie einen anderen Termin hatte, aber Karin, spätestens wenn du diesen Bericht hier liest weißt du, dass ich mich gut unterhalten habe. Und vor allen Dingen bin ich nicht verloren gegangen.
Verloren ging mir allerdings Zoë Beck mit der ich anschließend eigentlich ein Treffen vereinbart hatte. Da sie aber leider nicht kam, zog es mich und Karin zu „Droemer“ in Halle 3.1. Auf dem Weg dorthin kam ich zum xten Mal bei „Rowohlt“ vorbei, wo ich die Gelegenheit nutzte mit Petra Hammesfahr zu sprechen.  Was mich besonders freute war, dass sie sich immer noch an meine Rezension zu „Die Schuldlosen“ erinnern konnte und sich dafür bei mir bedankte. Vielleicht ergibt sich ein Wiedersehen mit Petra Hammesfahr in 2013. Ich möchte jedoch an dieser Stelle nicht zu viel versprechen!
Kaum dort angekommen klingelte mein Telefon und eine aufgeregte Zoë Beck fragte wo ich wäre. Es stellte sich dann heraus, dass wir eine unterschiedliche Treffpunktzeit notiert hatten. Meine Telefonnummer hatte Zoë irgendwie über Elke Pistor bekommen und so kam es dann schlussendlich doch noch zu einem Treffen.
Dieses Treffen war der krönende Abschluss eines phänomenalen ersten Messetages.
Nach eineinhalb Stunden plaudern und dem Gong, der uns an die Schließung der Messe erinnerte trennten wir uns. Karin und ich machten uns dann auf den Heimweg, wo wir den Tag mit Spaghetti Bolognese und einer großen Tasse Tee ausklingen ließen.
(Tipp- und Kommafehler sind beabsichtigt und ein Zeichen meiner außerordentlichen Kreativität!)
Die Fotos der Autorentreffen könnt ihr auf meiner Herzgedanke – Fanseite sehen.
© Ricarda Ohligschläger

Interviews mit Autoren

Interview mit Wulf Dorn

Niemand ist von Geburt an böse
Herr Dorn, welche Inspiration gab es für Sie „Mein böses Herz“ zu schreiben?

Nachdem ich immer wieder Leserzuschriften von Jugendlichen zu meinen Erwachsenenromanen erhalten hatte, wollte ich auch einmal gezielt für diese Lesergruppe schreiben. Hinzu kam, dass ich schon über längere Zeit mit einer Idee geliebäugelt hatte, die irgendwie nicht funktionieren wollte, bis mich mein Agent darauf brachte, dass dies ein passendes Thema für einen Jugendroman sei. Damit löste er den gordischen Knoten und Doro wurde geboren.
Es sollte eine Geschichte über „das Böse“ werden. Das Thema hatte mich schon lange beschäftigt. In den meisten Geschichten wird das Böse durch einen Antagonisten definiert, dem eine „gute“ Heldenfigur gegenübersteht, und in der Regel gibt es eine klare Trennung zwischen beiden Seiten. Aber ganz so einfach ist es in der Realität nun einmal nicht. Es gibt viele Grauzonen und ich bin überzeugt, dass in jedem von uns auch ein bösartiger Anteil steckt. Der entscheidende Punkt dabei ist, ob wir diesem Anteil bei unseren Handlungen nachgeben oder nicht, und welche Auswirkungen eine solche Entscheidung auf unser weiteres Leben haben kann. Aus dieser Überlegung heraus entstand Doros Geschichte.
(Die beiden nachfolgenden Fragen habe ich zusammengefasst, da sie sich ähnlich sind:)
Ist Doro eine fiktive Person oder gibt es diese Person wirklich? Wenn ja, war es möglich ihr für das Buch gezielte Fragen zu stellen?
Der Roman ist aus der Sicht einer jugendlichen  Protagonistin geschrieben. Sie sind 1969 geboren. Wie kommt es, dass Sie sich so gut in die Gefühlswelt von Jugendlichen versetzen können? Haben Sie sich auf Ihre neue Zielgruppe – Jugendliche – vor dem Schreiben des Romans speziell vorbereitet?
Nein, Doro gibt es nicht wirklich. Sie ist eine rein fiktive Person und ich bin bei ihr wie bei jeder meiner Romanfiguren vorgegangen: Zuerst habe ich ihren Lebenslauf zusammengestellt und mir einen Überblick über ihr Äußeres, ihre Vorlieben, Interessen und Ängste verschafft. Das hilft mir, die Handlungsweisen einer Figur in bestimmten Situationen abzuschätzen.
In Doros Fall fiel die Vorarbeit noch intensiver aus, da ich mich ja nicht nur in eine weibliche Rolle hineinversetzen musste, sondern auch in die Gedankenwelt einer Jugendlichen. Dabei waren mir meine Frau, meine Nichte (die genau in Doros Alter ist) und ihre Freundinnen eine große Hilfe. Sie haben mich bei allen wichtigen Details beraten.
Wenn Doro wie eine reale Person auf meine Leser wirkt, freut mich das sehr. Mir ging es übrigens ähnlich, auch wenn sich das vielleicht etwas abgehoben anhören mag. Doro entwickelte schnell ein Eigenleben und irgendwann hatte ich beim Schreiben das Gefühl, sie würde mir ihre Geschichte selbst erzählen und ich müsste nur noch mitschreiben. Das sind diese ganz besonderen Erlebnisse, die ich beim Schreiben so liebe.
Kann ein Ereignis, wie der Tod eines geliebten Menschen, bei jedem Menschen derartige Halluzinationen hervorrufen?
Es ist durchaus möglich, aber man kann das nicht pauschalisieren. Jeder Mensch geht unterschiedlich mit traumatischen Ereignissen um. Wie stark uns ein solches Erlebnis im Nachhinein belastet und welche Auswirkungen das auf die Psyche hat, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Bei Doro handelt es sich um eine sehr sensible Jugendliche, die sich zudem die Schuld am Tod ihres kleinen Bruders gibt. Den Grund dafür hat sie verdrängt, woraufhin sich ihre Schuldgefühle durch Halluzinationen aus ihrem Unterbewusstsein manifestieren. Bei einer anderen Person hätte sich das vielleicht ganz anders bemerkbar gemacht. Gerade deshalb finde ich das Thema der menschlichen Psyche ja auch so spannend.
Mussten Sie, im Gegensatz zu den Thrillern für Erwachsene, einen „Gang zurückschalten“?
Das würde ich so nicht sagen, da es in meinen Geschichten ohnehin nicht um vordergründige Brutalität oder Gewaltexzesse geht. Ich möchte auf subtile und unterschwellige Weise Spannung erzeugen, und in dieser Hinsicht hatte ich nicht den Eindruck, mich besonders zurückhalten zu müssen – vor allem nicht, seit ich weiß, dass auch meine Erwachsenenromane eine große jugendliche Leserschaft gefunden haben.
Aus meiner Sicht besteht der hauptsächliche Unterschied zum Erwachsenenthriller in der Geschichte selbst. Denn neben dem thrillertypischen Nervenkitzel sollte es sich um ein Thema handeln, das Jugendliche interessiert und beschäftigt, mit Protagonisten, die eine Identifikationsmöglichkeit bieten. Deshalb glaube ich, dass eher das Gegenteil der Fall ist und der Autor in Sachen erzählerischer Tiefe bei Jugendlichen sogar noch einen Gang höher schalten muss.
Was empfanden Sie als größte Herausforderung beim Sprung von Erwachsenen-Thriller zum Jugendbuch-Thriller?
Die größte Herausforderung bestand für mich darin, ein Thema zu finden, das Jugendliche anspricht und es spannend zu erzählen, ohne dabei in Klischeefallen zu tappen. Auf keinen Fall sollte Doro wie eine „Wie-sich-ein-Dreiundvierzigjähriger-eine-Sechzehnjährige-vorstellt“-Figur wirken.
Welche Anregungen gab es für den Titel auf dem Buch  „Mein böses Herz“?
Der ursprüngliche Arbeitstitel war „Unsagbar böse“ und sollte eine Anspielung auf die verdrängte Erinnerung sein, die für Doro unaussprechlich ist. Irgendwann schlug meine Lektorin „Mein böses Herz“ als Alternative vor. Ich weiß nicht mehr, wie sie auf diese Idee kam, aber auch mir gefiel dieser Titel sehr viel besser. Einige Zeit später machten die ersten Coverentwürfe die Runde und wir alle, das Verlagsteam und ich, fanden die Buchstaben auf der beschlagenen Glasscheibe richtig stark und aussagekräftig. Da ich zu dieser Zeit noch am Schreiben war, blieb mir Gelegenheit, eine entsprechende Szene zum Titelbild in die Geschichte einzufügen. So ist dann eine meiner persönlichen Lieblingsstellen im Buch entstanden.
Dürfen wir in Zukunft weitere Jugendromane von Ihnen erwarten?
Dafür gibt es noch keine konkreten Pläne. Aber da „Mein böses Herz“ so positiv bei den jungen Lesern ankommt, kann ich mir durchaus vorstellen, wieder einen Jugendroman zu schreiben. Derzeit arbeite ich aber noch am nächsten Roman für Erwachsene.
Schaffen Sie es denn Ihre Arbeit in der Psychiatrie vom Schreiben zu trennen. Oder fließen die Gedanken von der Arbeit immer wieder mit hinein? 
Natürlich schreibe ich nicht über die Fälle, mit denen ich im Klinikalltag zu tun habe, aber der Beruf an sich beeinflusst sicherlich auch meine Geschichten. Schreiben ist schließlich auch Psychologie. Man setzt sich mit Handlungs- und Denkweisen fiktiver Charaktere auseinander und macht sich Gedanken, wie bestimmte Szenen auf die Leser wirken werden. Insofern gibt es also durchaus Überschneidungen.
Wie kommen Sie auf die Ideen? Wo holen Sie sich Ihre Inspiration? 
O weh, das ist wohl die schwierigste Frage, die man mir stellen kann (lacht). Ehrlich gesagt, kann ich darauf keine zufriedenstellende Antwort geben. Mir fallen immer wieder mal Dinge ganz spontan ein. Oder ich lese/höre/sehe etwas, das mich dann zu einer Idee führt. Deshalb begleitet mich mein Notizbuch auf Schritt und Tritt – übrigens noch ein ganz altmodisches Notizbuch mit Papierseiten und Stift – in dem ich jeden Einfall festhalte.
Meistens ist es auch nicht eine Idee allein, die sich zu einer Geschichte entwickelt, sondern die Kombination mehrerer Einfälle. Das ist der große Vorteil des besagten Notizbüchleins, denn auch wenn eine Idee vielleicht anfangs noch absurd oder unbedeutend erscheinen mag, weiß man nie, wofür man sie noch einmal brauchen kann und ob sie nicht zusammen mit weiteren Ideen plötzlich große Bedeutung bekommt …
War das Schreiben für Sie immer ein Kindheitstraum und oder gab es ein bestimmtes Ereignis, dass Sie dazu gebracht hat?
Ich habe schon immer gerne Geschichten erzählt. Noch bevor ich schreiben konnte, habe ich rudimentäre Comics gezeichnet und Bilder zu meinen Geschichten gemalt. Mit zwölf habe ich dann meine erste Kurzgeschichte geschrieben – an einem verregneten Ferientag, das werde ich nie vergessen. Seither schreibe ich. Lange Zeit nur für mich selbst, aus reiner Freude am Fabulieren, und seit einigen Jahren nun auch für die Öffentlichkeit.
Arbeiten Sie weiterhin in der Psychiatrie oder sind Sie mittlerweile hauptberuflich als Autor tätig?
Die Frage erreicht mich zu einem interessanten Zeitpunkt, denn nach achtzehn Jahren Klinikarbeit habe ich mich nun ganz aufs Schreiben verlagert. Die vergangenen drei Jahre konnte ich ohnehin nur noch in Teilzeit in der Psychiatrie tätig sein, um mehr Zeit fürs Schreiben, Lesereisen, Buchmessen usw. zu haben. Inzwischen reichte die Zeit dafür aber längst nicht mehr aus und ich musste mich entscheiden. Leicht fiel mir das nicht, da mir beide Tätigkeiten viel bedeuten. Deshalb werde ich mich auch weiterhin für die Belange psychisch kranker Menschen einsetzen, nur eben ehrenamtlich und in deutlich kleinerem zeitlichen Rahmen.
Die Arbeit in der Psychiatrie stelle ich mir persönlich sehr belastend vor. Wie viel nimmt man mit nach Hause oder lernt man irgendwann den Abstand?
In diesem Tätigkeitsfeld lernt man früh, eine professionelle Distanz einzuhalten. Sicher, das gelingt nicht immer und gelegentlich gab es auch Fälle, die mich auch nach Dienstschluss noch beschäftigten. Aber meist ist es mir gelungen, mich innerlich so weit wie nötig abgrenzen. Das ist in allen sozialen Berufen wichtig, andernfalls würde man sich über kurz oder lang darin aufreiben.
Wollten Sie schon immer etwas mit Psychologie als Beruf ausüben, oder hat es Sie „zufällig“ in diesen Bereich verschlagen?
Interessiert hatte mich Psychologie schon immer, aber dass ich wirklich einmal mit psychisch kranken Menschen arbeiten würde kam tatsächlich durch einen Zufall zustande. Vor gut achtzehn Jahren war ich noch als Sachbearbeiter für ein Großunternehmen tätig und ziemlich unzufrieden mit diesem Job. Mein Aufgabengebiet füllte mich einfach nicht aus. Dann sah ich die Stellenanzeige einer Klinik, die einen Jobtrainer für Patienten in der beruflichen Rehabilitation suchte und bewarb mich. Ich bekam die Stelle, machte Zusatzkurse in Psychopathologie, Pharmakologie usw. und blieb die nächsten achtzehn Jahre in diesem Berufsfeld, von denen ich noch drei Jahre parallel in der psychiatrischen Versorgungsforschung tätig war.
Wenn Sie die Möglichkeit hätten ein Buch mit jemanden zusammen zu schreiben, auf wen würde Ihre Wahl fallen?
Offen gesagt kann ich mir eine Kooperation mit anderen Autoren nicht vorstellen. Es heißt zwar immer, man sollte niemals nie sagen, aber in diesem Fall kann ich es wirklich hundertprozentig ausschließen. Ich bin beim Schreiben einfach kein Teamworker – war ich noch nie.
Glauben Sie, dass das Böse im Menschen von Geburt an da ist oder erst durch seine Umgebung entsteht?
Niemand ist von Geburt an böse – außer vielleicht Damien Thorn (lacht). Nein, ganz im Ernst, solange sich ein Kind der Tragweite seiner Handlung nicht bewusst ist, ist es auch nicht böse. Erst die bewusste Intention, eine böse Handlung zu vollziehen, macht sie ethisch verwerflich. Aber selbst dann muss man noch unterscheiden. Wenn ein Slum-Kind aus Hunger stiehlt, ist das sicherlich etwas anderes, als wenn hierzulande ein Jugendlicher das iPhone eines Mitschülers klaut. Die Definition von „gut“ und „böse“ ist jedenfalls ein sehr komplexes Thema, und gerade deshalb finde ich es unglaublich spannend.
Wird es weitere Thriller um den Psychiater Jan Forstner geben?
Der arme Kerl hat in „Kalte Stille“ und „Dunkler Wahn“ eine Menge schlimmer Dinge durchmachen müssen. Deshalb will ich ihm vorerst eine Pause gönnen. Ich finde, das hat er sich redlich verdient.
Was fragt man einen Autor, den man bisher nicht kannte und dessen Bücher man noch nicht gelesen hat? Was würde Wulf Dorn fragen?
In dem Fall würde ich fragen: „Lieber Wulf, wem würdest du deine Bücher empfehlen?“ Und die Antwort wäre: „Jedem, der gerne spannende, unheimlichen Geschichte liest.“
Lieber Wulf Dorn, ich bedanke mich von Herzen – auch im Namen meiner Blogleser – für dieses Interview und freue mich auf weitere Bücher von Ihnen als Autor.
Die Bücher aus der Verlosung gehen an
Claudia E.
Jasmin Sch.
Herzlichen Glückwunsch!
Die Interviewfragen stammen u. a. aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”
Cover „Mein böses Herz“ © cbt

Rezensionen/ Rezensionen Jugendbuch

Wulf Dorn – Mein böses Herz

Ein abgründiges Verwirrspiel um dunkle Geheimnisse – und die Angst vor dem »Bösen« in der eigenen Seele
Was tust du, wenn du nicht mehr weißt, was Realität ist und was Fantasie?
Seit dem Tod ihres Bruders wurde Doro von Halluzinationen verfolgt, aber eigentlich dachte sie, das in den Griff gekriegt zu haben. Doch als sie mit ihrer Mutter aufs Land zieht, scheint die neue Umgebung erneut etwas in ihr auszulösen. Stimmen verfolgen sie. Und eines Nachts sieht Doro in ihrem Garten einen Jungen: verstört, abgemagert, verzweifelt. Der Junge bittet sie um Hilfe – und ist dann verschwunden. Wenig später erfährt Doro, dass er schon vor ihrer Begegnung Selbstmord begangen hat. Doro kann nicht glauben, dass sie sich den Jungen nur eingebildet hat. Doch die Suche nach der Wahrheit wird schnell zum Albtraum. Und tief in Doros Seele lauert ein dunkles Geheimnis …
(Kurzbeschreibung laut www.amazon.de)
„Mein böses Herz“ kann man nicht mit wenigen Worten beschreiben. Als Buch sorgte es endlich mal wieder dafür, dass ich mich am helllichten Tage in meiner Wohnung fürchtete, glaubte Geräusche zu hören und alles um mich herum vergaß. Wulf Dorn ist ein Meister, wenn es darum geht seine Leser in die Handlung zu zerren und ihnen das Gefühl zu geben, dass hier und jetzt nur noch die Story regiert.
Sein Schreibstil ist flüssig, packend und raffiniert. Rückzug unmöglich!
Da „Mein böses Herz“ aus der Sicht der Hauptfigur Doro geschrieben ist, wird die Frage nach Realität und Halluzinationen auf jeder Seite neu entfacht.
Was hat Doro wirklich gesehen und was ist nur ihre Einbildung? Hat sie ihren kleinen Bruder getötet? Diese Fragen tauchen automatisch auf, wenn man in die Handlung vordringt. Doch irgendwann fragt man sich auch, ob nicht doch jemand ein böses Spiel mit Doro treibt.
Wulf Dorn spielt Ping Pong mit den Gedanken seiner Leser. Mal glaubt man Doro, dass es den Jungen im Gartenhaus wirklich gibt und schon im nächsten Augenblick ist man überzeugt davon, dass dies alles nur Teil ihrer gestörten Psyche ist.
Doro ist demnach der interessanteste und detailreichste Charakter. Ich muss jedoch gestehen, dass ich sie während des Lesens immer wieder auf Distanz hielt, da ich nicht wusste, ob ich ihr vertrauen kann. Manchmal schließt man Figuren ja von Anfang an direkt ins Herz und das war bei ihr eben nicht so. Ich wollte vorsichtig sein, um nachher nicht von ihr enttäuscht zu werden.
Trotzdem fühlte ich mit ihr. Ihr Schmerz, ihre Angst und ihre Verzweiflung konnte ich mit jeder Faser meines Körpers nachempfinden und hatte nicht selten das Gefühl gleich von hinten angegriffen zu werden. Herzrasen während des Lesens inklusive!
Fazit: Wulf Dorn hat mich mit seinem Jugendthriller überzeugt. Nicht nur durch die vielen Wendungen, sondern auch durch die Lebendigkeit der Geschichte, der ich mich so unglaublich nah fühlte, hat er eine mitreißende Story geschaffen, bei der es unmöglich war sich zu entziehen.
Als Bonus des Buches ist noch das Cover anzumerken, das an einer bestimmten Stelle im Buch erneut auftaucht.
© Ricarda Ohligschläger
Cover © cbt
 
 

Rezensionen/ Rezensionen Krimis/Thriller

Wulf Dorn – Trigger

Wulf Dorn schafft es mit einer Leichtigkeit seine Leser zu verwirren und ihnen am Ende einen Schluss zu servieren, der einem die Sprache verschlägt und atemlos macht
Der Fall einer misshandelten Patientin wird für die Psychiaterin Ellen Roth zum Alptraum: Die Frau behauptet, vom Schwarzen Mann verfolgt zu werden. Kurz darauf verschwindet sie spurlos. Bei ihren Nachforschungen wird auch Ellen zum Ziel des Unbekannten. Er zwingt sie zu einer makaberen Schnitzeljagd um ihr Leben und um das ihrer Patientin. Für Ellen beginnt ein verzweifelter Kampf, bei dem sie niemandem mehr trauen kann. Immer tiefer gerät die Psychiaterin in ein Labyrinth aus Angst, Gewalt und Paranoia. Und das Ultimatum läuft … (Kurzbeschreibung www.amazon.de)
Wulf Dorn zu lesen war mir schon lange ein Wunsch und ich habe mit „Trigger“ wohl genau das richtige Buch von ihm ausgewählt. Gleich zu Beginn zeigt der Autor im Prolog und dann in einer dramatischen Szene, dass er versteht wie man Bilder im Kopf zum Leben erweckt:
Ellen Roth, Psychiaterin in der Waldklinik hat tagtäglich mit suizidgefährdeten und psychisch kranken Patienten zu tun. Als sie einem scheinbar verwirrten Patienten gegenüber tritt, der laut Unterlagen an paranoider Schizophrenie leidet, ist allen Vermutungen zum Trotz schnell klar, dass Hr. Brenner lediglich dehydriert ist und dringend einer Kochsalzinfusion bedarf.
Ihren Unmut über diese Fehldiagnose lässt sie daraufhin an Dr. März aus, die Roth den Patienten überwiesen hat.
Zusätzlich scheint ihr neuester Fall gleichermaßen viel Aufmerksamkeit zu benötigen. Nicht umsonst enthält der Aufnahmebogen der misshandelten Frau den Vermerk BIF (besonders interessanter Fall). Der traurige Anblick berührt Ellen und auch die eindringliche Bitte der verstörten jungen Frau, sie vor dem schwarzen Mann zu beschützen.
Wenig später ist die Frau verschwunden und mit ihr die Akte, die Ellen ganz sicher Tage zuvor in den Händen gehalten hatte.
Ellen Roth wird mehr und mehr zur Zielscheibe des schwarzen Mannes, als sie versucht ihrer Patientin zu helfen und mit ihren Nachforschungen gerät sie immer mehr in Zweifel, ob ihr Kollege Mark nicht ein böses Spiel mit ihr treibt.
Wulf Dorn schafft bereits auf den ersten Seiten eine spannende Szenerie. Er entführt seine Leser in die beklemmende Atmosphäre der Psychiatrie, wo sich Wahnsinn und Paranoia die Hand reichen.
Sein Schreibstil hat mich die über 400 Seiten schneller lesen lassen, als mir lieb war. Zudem konnte ich gar nicht umhin mir selbst ein Bild über die Lösung zu machen und somit wuchs die Spannung bis ins Unermessliche. Bin ich auf der richtigen Spur?, fragte ich mich ständig. Zumal es einige Wendungen gibt, die wieder neue Lösungsansätze bieten.
Wulf Dorn schafft es mit einer Leichtigkeit seine Leser zu verwirren und ihnen am Ende einen Schluss zu servieren, der einem die Sprache verschlägt und atemlos macht. Das liegt nicht nur an seiner glaubwürdigen Hauptperson Ellen Roth, sondern auch daran, dass dieser Thriller alles hat, was für mich ein echter Pageturner ist!
Dass „Trigger“ nicht das letzte Buch des Autors ist, welches ich lesen werde, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Oder?
© Ricarda Ohligschläger