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München

Rezensionen/ Rezensionen Krimis/Thriller

Nicole Neubauer – Kellerkind

Ich habe mir diesen Kriminalroman wegen der durchweg positiven Pressestimmen gekauft und erwartete spannungsvolle Unterhaltung mit Regionalcharakter. „Kellerkind“ konnte mich aber leider nicht ganz überzeugen. Eher wie Kaugummi zog sich die Handlung des durchaus gut durchdachten Plots und ich kam mir etliche Kapitel vor wie in einem Spiel namens „Wir haben den Mörder“, „Wir haben den Mörder nicht“.
Ich nehme an, dass dies Spannung erzeugen sollte jedoch war bei mir ziemlich schnell genau diese erloschen und ich wollte eigentlich nur noch zum längst überfälligen Ende kommen. Wären da nicht die charakterstarken und durchaus sympathischen Protagonisten – allen voran das Ermittlerteam – ich hätte das Buch wohl abgebrochen.
Der Lokalkolorit kommt dabei definitiv nicht zu kurz und macht das ganze Szenario noch intensiver. Man spürt regelrecht diesen eiskalten Münchener Winter.
Lobenswert hervorheben möchte ich die zwei Hauptverdächtigen bzw. deren Verhältnis miteinander. Diese fast unmenschliche Vater – Sohn – Beziehung stimmt traurig und hätte durchaus mehr Präsenz zeigen dürfen.
Nicht klar geworden ist mir nämlich warum diese Beziehung eigentlich so von Hass und Abwehr geschwängert ist. Die Mutter des Jungen ist tot, der Vater ein vielbeschäftigter Mann und der Sohn wächst mehr oder weniger alleine auf? Das alleine reicht mir persönlich nicht. Welche Probleme gab es in der Vergangenheit? Welche Geschehnisse sind es, die Vater und Sohn so entzweit haben? Lediglich der Mord an der Lebensgefährtin des Vaters wird mit Vorfällen in der Vergangenheit begründet. Aber ich hätte gerne erfahren warum sich das negative Verhältnis so aufbauen konnte.
Sprachlich bleibt Neubauer von Anfang bis Ende auf einem hohem Niveau, was aber leider nicht über die fehlende Spannung hinwegsehen lässt.
© Ricarda Ohligschläger
 

Rezensionen/ Rezensionen Krimis/Thriller

Inge Löhnig – Schuld währt ewig

Eine einzige Sekunde hat Susannes Leben für immer verändert. Ein Kind ist tot. Für die junge Frau ein Alptraum, der nie endet, eine Suche nach Sühne, die vergebens ist. Dann sterben zwei Menschen. Sie wurden ermordet. Auch in ihrer Vergangenheit gibt es ein düsteres Geheimnis, eine Schuld, die für immer bleibt. Kommissar Dühnfort verfolgt einen Täter, der auf grausame Weise für seine Vorstellung von Gerechtigkeit sorgt. Ein Rächer, der Gleiches mit Gleichem vergilt und keine Gnade kennt. (Kurzbeschreibung laut www.amazon.de)
Schuld währt ewig“ ist der vierte Teil um Kommissar Dühnfort. Inge Löhnigs kauzige Hauptfigur muss man einfach mögen und genau deshalb verfolgte ich neben der Haupthandlung auch die Entwicklung der Liebesbeziehung mit seiner Kollegin Gina mit großem Interesse.
Inge Löhnig lässt ihre Leser zu Beginn Zeuge eines Unfalls werden, der sich kurze Zeit später – wegen fehlender Bremsspuren – als eiskalter Mord entpuppt. Ein Zeuge könnte der Polizei hilfreich zur Seite stehen, denn er hat die Tat fotografiert. Allerdings entscheidet er sich den Täter zu erpressen. Noch ahnt er nicht, dass dies ein entscheidender Fehler ist. Doch er soll nicht das letzte Opfer bleiben…
Die über 400 Seiten sind durchweg spannend geschrieben und unterhalten auf einem sehr hohen Niveau. München als Handlungsschauplatz strahlt eine angenehme Atmosphäre aus und man bekommt richtig Lust darauf die Stadt kennenzulernen. Die Autorin streut gerne auch besondere Vorlieben des Kommissars mit großer Detailliebe ein, die ihn noch sympathischer und authentischer machen.
Ihr packender Schreibstil lässt kaum eine Atempause zu, aber da sie den Spannungsbogen gekonnt durch die kurzen Kapitel zieht, möchte man das Buch eh nicht beenden bevor man weiß wer der Täter ist. Bis dahin führt Inge Löhnig ihre Leser mehrmals auf die falsche Fährte.
Das Motiv ist schlussendlich uneingeschränkt nachvollziehbar und rundet diesen Krimi perfekt ab.
Inge Löhnig hat es wieder einmal mehr geschafft mich davon zu überzeugen, dass man auch ohne überflüssiges Blutvergießen einen mitreißenden und ansprechenden Krimi schreiben kann.
Schuld währt ewig“ hat diese Bezeichnung mehr als verdient!
Kein Wunder also, dass „Verflucht seist du“ (der fünfte Teil der Reihe) schon in den Startlöchern liegt.
© Ricarda Ohligschläger