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5 Punkte

Rezensionen/ Rezensionen Sachbuch

Steffi von Wolff – Mundgeblasen

Ja, ich gebe es zu: mich hat der Titel “Mundgeblasen” neugierig auf das Buch gemacht.
Ein Buch über Sex. Als wenn es das noch nicht geben würde. “Die nackte Wahrheit über echten Sex” sollte es angeblich sein. Lustig eventuell sogar noch!? Das ließ das Cover vermuten und mittlerweile weiß ich, dass man solche Kombinationen durchaus trägt. Im Swingerclub bei Herta beispielsweise.
Aber nun mal im Ernst: Ich habe selten ein Buch gelesen, in dem so oft das Wort mit dem F fällt und gleichzeitig so viel gelacht.
Steffi von Wolff hat nämlich das gemacht was sich viele nicht trauen. Sie hat “Hilfsmittel” ausprobiert, Freundinnen befragt, ein Bordell besucht und sich von Lady Saphira aufklären lassen. Sie hat erfahren warum sie sich nicht als Prostituierte eignet, dass man auf dem Parkplatz nicht nur parken kann und warum das Büfett im Swingerclub so wichtig ist.
Kurzum sie war neugierig. Und zwar richtig neugierig! Und hat damit Fragen beantwortet, von denen man bisher noch gar nicht wusste, dass man sie gerne beantwortet hätte!!
Was ist eigentlich Klismaphilie? Oder ein Looner? Wollen Frauen Handlung in Pornos? Und was kann man alles mit Luftpolsterfolie oder Murmeln anfangen?
All diese Fragen beantwortet Steffi von Wolff ausführlich, immer mit der nötigen Ernsthaftigkeit und trotzdem mit einem klitzekleinen Augenzwinkern.
Und weil Steffi von Wolff so mutig war all diese Fragen zu stellen, einen sehr(!) unterhaltsamen Schreibstil hat und obendrein das ganze Thema noch humorvoll verpacken konnte, bekommt dieses Buch von mir eben nicht nur ein “befriedigend”, sondern volle 5 Punkte! 😉
© Ricarda Ohligschläger

Rezensionen/ Rezensionen Kochbücher

Tina Nordström – Tina kocht

Cover_B0041_GER.inddTina Nordström, Starköchin aus Schwedin, präsentiert mit “TINA KOCHT” eine bunten Mischung aus  Alltagsgericht, extravagant und Schwedenküche in insgesamt 234 (!) Rezepten auf pickepackevollen 384 Seiten. Schon beim ersten Durchblättern fällt auf, dass dieses Buch ein bisschen anders ist als andere Kochbücher, denn die Köchin hat ihre ganz persönliche Note im Buch hinterlassen. Sie berichtet von der Entstehung dieser “Rezeptbibel”, deren Rezepte sie im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat. Neue Interpretationen verbunden mit traditionellen Gerichten – das ist das wofür dieses “Gute Laune” – Kochbuch steht. Die Auswahl der Rezepte ist unterteilt in acht Kategorien unterteilt: Gemüse Fisch & Meeresfrüchte Vom Grill Fleisch & Geflügel Tacos Brot & Pizza Tapas Süßes & Saft Zu jedem Rezept gibt es ein ansprechendes Foto, welches Lust macht sofort in die Küche zu rennen und das Rezept nachzukochen. Die Vielfältigkeit der Rezepte ist großartig und durchdacht. Ob für Kochanfänger oder für Hobbyköche – hier ist für jeden etwas dabei. Ob schnelle, kalorienarme oder Gerichte für Festtage; ich bin beeindruckt. “Frittata mit Erbsen, Basilikum und Mascarpone” “Lachs mit warmen Trauben und Kapern” “Griechische Lammfrikadellen mit Gemüse” sind nur einige Beispiele aus dem Buch. Beim Sichten der Rezepte ist mir eines besonders positiv aufgefallen: Man kann die Gerichte wunderbar miteinander kombinieren! So empfiehlt Tina Nordström beispielsweise zum “Hackbraten mit Trockenfrüchten und Petersilienkartoffeln” auf Seite 211 die schon erwähnten Petersilienkartoffeln. Da der Hackbraten aber eine ähnliche Gartemperatur (175°C) wie das “Kartoffelgratin á la Tina” auf Seite 75 (180°C) hat, habe ich mich für mein Testessen dazu entschlossen beides miteinander zu kombinieren. Und siehe da – es klappte wunderbar. Die Zutatenmenge etc. passt optimal und da die einzelnen Schritte gut beschrieben sind war das Kochen ganz einfach. Zum Kartoffelgratin empfiehlt Tina Rinderfilet. Aber der Hackbraten schmeckte auch köstlich dazu. Und wer einen Umluftherd besitzt wird sich meine Variante vielleicht auch einmal schmecken lassen, denn Umluft spart Zeit und Energie, da die beiden Gerichte zusammen garen können. Viele Gerichte sind übrigens noch mit speziellen Tipps versehen,. So bekommt man diverse Zusatzinfos, die das Kochen noch einfacher und die Gerichte noch schmackhafter machen! Ich liebe solche “Geheimtipps” wie zum Beispiel “Knoblauch zerdrücken”  oder “Kräuter sind immer gut”. Wer übrigens denkt, dass beim Kapitel “Vom Grill” nur Fleisch präsentiert wird, der irrt gewaltig. Denn gleich zu Beginn wird das Geheimnis verraten wie man “Gegrillte Wassermelone mit Erdnuss-Sauce” zubereitet. Ein Rezept aus diesem Kapitel hat mich besonders neugierig gemacht: “Fetasalat mit Minze und Ahornsirup”, welches ich direkt getestet habe. Und was soll ich sagen? So wenig wie ich mir vorher die Kombination aus Minze und Fetakäse vorstellen konnte, so sehr bin ich begeistert von diesem erfrischenden Salat, den die Köchin u.a. zu Fisch empfiehlt. Mein Fazit ist durchweg positiv. Unkomplizierte Gerichte, die beeindrucken und mit außergewöhnlichen Lebensmittelkombinationen den Gaumen kitzeln. Da kommt wahrhaftig gute Laune in die Küche!
© Ricarda Ohligschläger
© Cover Dorling Kindersley Verlag
minze Braten

Rezensionen/ Rezensionen Historische Romane

Micaela Jary – Das Haus am Alsterufer

Hamburg 1911: Nur widerstrebend stimmt der verwitwete Reeder Victor Dornhain der Heirat seiner Tochter Lavinia mit dem Architekten Konrad Michaelis zu. Niemand in der Familie ahnt, dass Lavinias Schwester, die Malerin Nele, ihren Schwager liebt. Etwa zeitgleich wird die 16-jährige Klara Tießen als Hausmädchen bei Dornhains eingestellt. Nur Victor Dornhain und seine Mutter Charlotte wissen, dass Klara sein illegitimes Kind ist. Drei Jahre später bricht der Große Krieg aus und verändert alles: In der Tragödie erkennt Lavinia ihre wahre Bestimmung, Klara findet auf der Suche nach ihrer unbekannten Mutter den Mann ihres Lebens, und das Schicksal seiner Familie wird für den Reeder zu einer Frage der Ehre … (Kurzbeschreibung laut randomhouse.de)
Es gibt Romane in die man eintaucht und sofort alles um sich herum vergisst.
So ist es mir mit “Das Haus am Alsterufer” ergangen.  Ich liebe Familiengeschichten mit Überraschungen, sich weiterentwickelnden Personen und dem ein oder anderen kleinen Eklat. Genau das fand ich alles auf den fast 580 Seiten – ohne mich auch nur einmal zu langweilen.
Micaela Jary hat mit der Reedereifamilie Dornhain eine Konstellation aus Personen kreiert, die ihres Gleichen suchen. Oberhaupt der Familie ist Victor. Der verwitwete Reeder wohnt mit seiner Mutter Charlotte und seinen drei Töchtern in Hamburgs feinster Gegend. Hauspersonal, Empfänge, gesellschaftliches Ansehen – all das spielt im Leben der Familie eine große Rolle. Da kommt es ziemlich ungelegen, dass die jüngste Tochter Lavinia einen Skandal verursacht und sich somit eine Hochzeit mit dem Architekten Konrad Michaelis erzwingt. Doch ahnt vorerst niemand in der Familie, dass sein Herz bereits an Lavinias Schwester vergeben ist.
Dass das zu Spannungen in der Familie und zu einer unerfüllten Liebe führt, ahnt man bereits. Jary lässt ihren Lesern zwar die Chance die eigene Fantasie spielen lassen, jedoch nur für winzige Augenblicke. Ganz offenbart sie das Schicksal der Familie erst am Ende und hält dadurch die Spannung bis zur letzten Seite. Die Geschichte bleibt bis dahin mitreißend, die Handlung ist tief gehend und die Charaktere bleiben nicht ohne Wirkung. Da wünscht man sich, dass das Ende niemals naht! “Das Haus am Alsterufer” hat mich sehr gut unterhalten. Spiegelt es doch das Bild einer Gesellschaft wider, die wir so nie erfahren werden. Ich habe es genossen in diese abzutauchen und würde mich sehr freuen, wenn es in irgendeiner Form ein Wiedersehen mit den Figuren gibt!
© Ricarda Ohligschläger
 

Rezensionen/ Rezensionen Historische Romane

Charlotte Roth – Als wir unsterblich waren

November 1989. »Willkommen in Westberlin«, dröhnt es aus einem Lautsprecher, als die Ostberliner Studentin Alex­andra von der Menschenmenge in die Arme eines jungen Mannes gedrängt wird. Liebe auf den ersten Blick!
Berlin vor dem Ersten Weltkrieg. Die junge und mutige Paula setzt sich leidenschaftlich für Frauen- und Arbeiterrechte ein. Ihre Träume von einer neuen, gerechteren Welt teilt sie mit dem charismatischen Studentenführer Clemens, mit dem sie Seite an Seite kämpft.
Damals, als sie unsterblich waren, beginnt ihre dramatische Geschichte, die auch die Geschichte unseres Landes ist und die Jahrzehnte später Alexandras Welt für immer verändern wird.  (Kurzbeschreibung laut Droemer-Knaur)
Charlotte Roth ist das Pseudonym einer nicht ganz unbekannten Autorin, die jedoch bisher ihre historischen Romane unter einem anderen Namen veröffentlicht hat.
Als wir unsterblich waren” schien aber eh auf den ersten Blick etwas anderes – etwas besonderes – zu sein. Historisch zwar auch, aber eher in der Zeit des 1. Weltkrieges angesiedelt. Der kurze Klappentext und die Empfehlung mehrerer begeisterter Leser – mehr brauchte es nicht um mich ebenfalls mit dem Buch zu infizieren.
Im November 1989, zum Zeitpunkt des Mauerfalls, beginnt diese große Familiensaga. Alexandra ist eine der Hauptfiguren und diese trifft im Trubel der Maueröffnung auf Oliver. Es ist Liebe auf den ersten Blick und die zwei verbringen einige Tage voller Leidenschaft – bis Alexandra Oliver ihrer Großmutter vorstellt, und diese daraufhin einen Herzinfarkt erleidet.
Diese Dramatik trägt wie ein Sog durch die ersten Kapitel. Schon bald jedoch wechselt die Perspektive und man befindet sich im August 1912 wieder. Von nun an spielen die junge Paula und der charismatische Clemens die Hauptrolle. Vom Ehrgeiz gepackt etwas zu bewegen in einer Zeit voller politischer Unruhen und Veränderungen kämpfen sie sich durch. Paula setzt sich ohne Unterlass für die Rechte misshandelter Frauen ein. Richtet sogar eine Arche ein, um den Frauen eine Unterkunft zu bieten. Und natürlich muss sie Rückschläge erleiden. Nicht nur in Bezug auf Clemens.
Hautnah erlebt man das Leid des Krieges mit, zittert mit Clemens im Schützengraben und begleitet ihre Freunde durch ihren Kampf gegen die Regierung, der jedoch zum Scheitern verurteilt ist…
Roth beschreibt ausführlich politische Zusammenhänge und stellt deutsche Geschichte grausam und unverblümt dar. Und auch wenn es mir zum Teil “zu politisch” zuging, so ist es doch ein Roman, den ich gerne weiterempfehlen möchte, denn es ist viel mehr als ein Roman über Krieg und Verrat. Es ist eine Geschichte über Zusammenhalt, eine große Liebe und die Entwicklung junger Leute, die sich auf vielschichtige Weise beweisen müssen!
Mich hat das Buch sehr betroffen gemacht! Es hat mir die Augen geöffnet für Dinge, die wir alltäglich als Selbstverständlichkeit hinnehmen.
© Ricarda Ohligschläger
 
 
 

Rezensionen/ Rezensionen Belletristik

Anna Rosendahl – Acht Zimmer, Küche, Meer

Marina hat das alte Haus auf Rügen geerbt, von dem sie schon als Kind fasziniert war. Allerdings muss sie der alten Josefine lebenslanges Wohnrecht gewähren. Trotzdem nimmt Marina das Erbe an und baut das Gebäude gemeinsam mit ihrer Schwester zu einem Gästehaus um. Doch sie fragt sich, warum ausgerechnet sie das Haus geerbt hat. Als auch noch eine entfernte Verwandte auftaucht, die Erbansprüche stellt, beschließt sie, für Klarheit zu sorgen, und macht sich auf Spurensuche. Denn sie will um das Haus kämpfen …(Kurzbeschreibung laut amazon)
Eigentlich wollte ich in diesem Sommer nach vielen Jahren wieder einmal nach Rügen reisen, aber aus persönlichen Gründen muss ich die Reise verschieben. Da passte es sehr gut, dass “Acht Zimmer, Küche, Meer” mich mit Hilfe zauberhafter bildgewaltiger Worte dorthin entführte.
Anna Rosendahls Roman handelt von Lebensentscheidungen und Spurensuche, von Neuanfängen und ungeahnten Chancen, die das Leben manchmal unerwartet bietet. Es macht ein bisschen nachdenklich, ob man immer den richtigen Weg geht und Entscheidungen nicht oftmals zu schnell fällt – und die große Liebe dabei verliert. Das hat mich sehr berührt.
Die hauptsächliche Geschichte des Romans, in der es um Erbschaftsstreit und die Suche nach den Wurzeln geht, hat mich sehr gut unterhalten, und die Beschreibungen der Insel haben dem noch ein i-Tüpfelchen hinzugefügt.
“Acht Zimmer, Küche, Meer” ist mehr als eine nette Lektüre für zwischendurch. Es ist eher ein Roman zum “Zwischendurch Innehalten und Durchatmen” und vielleicht riecht man dabei sogar das Meer. 
© Ricarda Ohligschläger